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Petersburg am Tage und bei Nacht. 1.-4. Bändchen
Entstehung
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an, bat, drohete mit den Gerichten und dergleichen. Ich gerieth auch in Eifer. Sie rief mir die Bedingung, unter welcher ich Jenny zu mir genommen hatte, ins Ge⸗ dächtniß zurück, und warf mir vor, ſie nicht gehalten zu haben und dergleichen mehr; ich gab zur Antwort, daß Gott mich dafür geſtraft, eine ſo ſataniſche Bedingung eingegangen zu haben, was war zu thun, ich war jung, und die Noth drückte ſo ſehr, daß ſie mir die Seele aus dem Leibe preßte, ſo ſtrafte mich Gott.. bloß für das Verſprechen, es iſt gut, daß ich die Bedin⸗ gung nicht erfüllt habe, es iſt wahr, daß ich, gleich wie ich ſie gab, ſie nicht zu erfüllen dachte Jetzt wird Jenny meine Sünden abbitten, ſie wird der Herr gewiß erhören. werkann ſie, das Herzenskind, unerhört laſſen!...

Was zwiſchen mir und dieſer Dame weiter vorfiel, das erzähle ich nicht, es dient auch zu nichts. Es endigte⸗ damit, daß ſie böſe wurde, aus dem Zimmer lief und nicht wieder kam Alber eine Spur ließ ſie zurück Jenyy entging ihren Händen nicht, gewiß nicht; die Dame hat ſie geſtohlen, um mich zu kränken Und dieſer Herr ſpielt mit ihr unter einer Decke!

Der Präſident hörte ſehr aufmerkſam der Erzählung der Frau Elkin zu, hin und wieder als Kenner des menſch⸗ lichen Herzens einen Blick auf Newski werfend; aber das früher von Unwillen flammende Geſicht Newskis war jetzt ruhig, kalt, wie das Geſicht eines an alle möglichen Ge⸗ fahren und Drohungen gewoͤhnten Mannes, der übrigens noch nicht die Fähigkeit verloren, Seelenqualen und Ge⸗ müthoſchmerzen zu fühlen.

Nur das Herz einer Mutter, die überall die Urſache ihres bittern Verluſtes ſucht und findet, konnte einen ſol⸗ chen Argwohn hegen, ſagte der Präſident mit Ruhe. Können Sie wirklich glauben, daß dieſe Dame, wer ſie auch ſei, und deren Namen wir übrigens erfahren werden, daß ſie ein mit Gewalt geraubtes Mädchen in ihrem Hauſe zu behalten im Stande ſei, ohne daß es Jemand erfahre?