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Haus. Mir und Jennchen ſtockten faſt der Athem, als wir ihre Schritte an unſerer Thüre hörten. Wen hat uns Gott zugeſandt?“ fragte ich.—„Ich weiß es nicht, Müt⸗ terchen.“—„Warum fürchteſt Du dich, Schätzchen? Gehe und öffne.“— Sie offnete. Die Dame, aufgebla⸗ ſen wie ein Pfau, trat ein, der Herr flüſterte ihr etwas zu und ging zurück. Er ging raſch fort, ja, ſehen Sie— ich habe dieſen Herrn bemerkt, dann ſah ich, wie er ſeine Schöne in der Kaleſche erwartete, er hat ein Geſicht, daß ein Frauenziimer es nie vergißt, und wenn es auch das⸗ ſelbe nur ein Mal ſieht. Das iſt er, dieſer Herr iſt's! Ich ſehe ſie noch jetzt, dieſe Augen, die wie zwei Irrwiſche in mein Stübchen hinein funkelten. Die Dame ſetzte ſich, betrachtete lange mein Täubchen, meine Jenny, rief ſie dann zu ſich, umarmte und küßte ſie ich glaube gar, ſie ſchluchzte.. Dann knüpfte ſie mit mir ein Ge⸗ ſpräch an, und zwar ſo ſüß, ich glaubte, eine Nachtigall ſingen zu hören.—„Hören Sie, meine theure Anaſtaſie Jwanowna,“— woher Sie meinen Namen wiſſen mochte, —„mir iſt es ja bekannt, daß Jenny nicht Ihre Toch⸗ ter“— Es war mir, als ob man mir einen Stich in die Seite verſetzte.—„Ich weiß, daß ſie es bei Ihnen gut hat, daß Sie ſie lieben, aber ſchauen Sie ſie an, ver⸗ dient ſie ein ſolches Lvos? Sehen Sie, wie ſchon ſie iſt.!“ Und Jenni, ärgerlich über die Liebkoſungen der vornehmen Dame, war noch ſchöner als immer„. Was iſt zu thun, Mütterchen, antwortete ich ihr, unſer Stand erlaubt's nicht beſſer!„.—„Es hängt von Ihnen ab,“ ſagte ſie,„ihre Lage zu verbeſſern!“— Wie ſo von mir?—„Ja! geben Sie das Kind mir, und es wird in Seide gekleidet gehen, in einem Pallaſte wohnen, alle Lebensfreuden genießen Es war mir, als ob man mich mit ſiedendem Waſſer überſchüttet hätte!— Jenny verließ die Dame und hing ſich mir an den Hals —„Für nichts in der Welt will ich Dich verlaſſen,“ rief mein Kind aus„„ Die Dame ſchlug alle Saiten
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