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Petersburg am Tage und bei Nacht. 1.-4. Bändchen
Entstehung
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Können Sie wirklich glauben, daß Jenny nicht zu entkom⸗ men ſuchen und Ihnen das Verbrechen enthüllen werde; oder ſollte man ſie abſperren, das unſchuldige Kind quälen wie können Sie das glauben?. Wen hielte nicht die Furcht vor Strafe von einem ſo abſcheu⸗ lichen Verbrechen zurück, wenn ſchon nicht die Verant⸗ wortung vor dem ewigen Richter ihn abſchreckte.

Der Präſident hatte ſeinen Worten abſichtlich eine ſolche Wendung gegeben; er richtete ſeine Augen auf Frau Elkin, damit dieſe ſeinen Beſcheid richtig auffaſſe.

Die Frau Elkin wurde nachdenkend, ſchwieg

Sie ſind ein guter Mann, ſagte ſie endlich zum Präſidenten: aber Sie kennen dieſes Weib nicht. Laſſen Sie mich über die Sache nachdenken.. Indeſſen werden ich und Feodor Jwanowitſch den Gegenſtand nicht aus den Augen laſſen, thun Sie, was Sie nothig finden Mein halbes Leben, das ganze Leben gebe ich Ihnen für Jenny hin.

Der Präſident beruhigte ſie ſo viel er konnte, ver⸗ ſprach ihr, ſie von dem Erfolge ſeiner Nachforſchungen fortwährend in Kenntniß zu ſetzen, und ſich bei ihr ſelbſt zu erkundigen. Für dieſes Mal aber beendigte er ſein langes Verhör, da er die zur Nachſuchung auf den Ort des BVerbrechens Abgeſandten zurück erwartete. Allein ge⸗ laſſen, betrachtete er die Ausſagen von allen Seiten und konnte durchaus nicht begreifen, welches Band die Ent⸗ führung eines Mädchens, deren Herkunft, wie er aus den Antworten der Frau Elkin erſah ſo dunkel und verworren und die gleichzeitige eines gemeinen Straßen⸗ jungen, eines Lumpenſammlers, verknüpfe; dann war noch die Frage zu löſen, ob denn wirklich beide Entführungen in einer und derſelben Nacht, zu einer und derſelben Zeit ſtattgefunden haben: die Beweiſe ſind ſo ſchwach, daß er dieſe Vorausſetzung faſt nicht zuließ und ſich nur aus Mangel haltbarerer an dieſelbe hielt.

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