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Petersburg am Tage und bei Nacht. 1.-4. Bändchen
Entstehung
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Die Frage ſchien auf den Lippen des jungen Mäd⸗ chens höchſt einfach, und doch verletzte ſie Finski bis in die tiefſte Tiefe. Er glaubte bloßes Mitleiden habe Marie aufgefordert, ſich an ihn zu wenden, während ſie den ganzen Abend hindurch ihn nicht einmal zu bemerken ſchien, und dieſes Mitleid drang durch das Herz, von dem ſogar die ſpitzen Pfeile Lenins wirkungslos abgeprallt waren.

Was Sie immer ſingen, es iſt alles vortrefflich, antwortete Finski raſch und großmüthig.

Sie wünſchen alſo, daß ich gar nicht ſinge. ſchon gut. Wählen Sie doch mir etwas zu ſingen, Olga Petrowna; denn ich will allen zum Trotze fingen.

Olga, die eben die Noten durchſah, hielt bei der Se⸗ renade von Schubert an.

Ach, ſingen Sie doch das herrliche Ständchen, ich

bitte.

Marie ſetzte ſich ans Piano. Sie ſang ohne irgend einen Anſpruch auf tiefes Muſikſtudium; aber ihre reine, metallreiche Stimme, die herrlichen Motive dieſes Liedes, vrangen tief in Olgas Gemüth, die, leidenſchaftlich für Muſik, ſie mehr mit dem Herzen ahnte als mit dem Verſtande faßte. Sie ſtand unbeweglich hinter dem Stuhle der Singenden; ihr Gehör hing an den Tönen, aber ihre Augen, wo waren ihre Augen?. Von ihrem ent⸗ zückten, in Zärtlichkeit aufgelösten Herzen ihre Richtung erhaltend, waren ſie auf Newskis blaſſes Geſicht gerichtet

und verſenkten ſich in den tiefen Blick des jungen Man⸗ nes, der ſich ſchweigſam, zerſtreut an die Thüre gelehnt

hatte. Gewiſſe Geſichter, Phyſiognomien bleiben uns wegen irgend eines ſcharfen Zuges, einer großen Naſe, eines

Fuchsauges, oder dicker Lippen im Gedächtniſſe, und wir

können uns dieſe Menſchen nach dieſen Eigenthümlichkeiten vorſtellen; Anderer erinnern wir uns durch ihre Namenz

wieder Anderer durch ihre bunte, geblümte Weſte, ihre