Druckschrift 
Petersburg am Tage und bei Nacht. 1.-4. Bändchen
Entstehung
Einzelbild herunterladen

238

Was für Anknüpfungen! Mit dem Neumonde

hört der Regen auf. Dann iſt ein Wechſel der Witterung zu hoffen.

Lenin ging in den Salon.

Der Graf Lawr⸗Sokolnick ſaß auf dem Divane, umgeben von der zarteſten Aufmerkſamkeit aller Anweſen⸗ den. Er unterhielt ſich mit Newski und ſein freundſchaft⸗ licher Ton ſtach gar ſonderbar ab, gegen das ſtolze Weſen und die Kälte, die er gegen alle, außer gegen den Wirth und die Wirthin, an den Tag legte, dieſen bezeugte er ſogar eine gewiſſe Achtung. Es iſt nöthig, zu bemerken, daß umanski einſt eine der wichtigſten Springfedern der Staatsregierung in Händen hatte; damals wurde er mit dem Grafen bekannt, war beinahe ſein Vorgeſetzter: er kannte ſeinen Charakter, ſeine Fähigkeiten, konnte trotz der äußeren Rauheit des Grafen den Werth des jungen

Mannes würdigen und gab ſeinen bedeutenden Geiſtesgaben

eine gewiſſe Richtung. In der Folge war Umanski, von

Arbeiten erſchoͤpft, vom Schauplatze ſeiner Wirkſamkeit

getreten, und nahm als Lohn ſeiner nach ihrem Werthe

geſchätzten Dienſte einen bedeutenden Ehrenplatz ein. Der

Graf hatte indeſſen, von ſeiner günſtigen Stellung in der Geſellſchaft, von ſeinen Verbindungen, ſeinem Reichthum und ſeinem Verſtande unterſtützt, ſich raſch emporge⸗ ſchwungen und ſpielte jetzt eine der wichtigſten Rollen. Trotz ſeines raſchen Aufſteigens, das Emporkömmlinge ſo oft ſchwindlicht macht, war der Graf ſeinem frühern Vorgeſetzten immer anhänglich geblieben und zeigte dies bei jeder Gelegenheit. Auf ſeine Bitte hatte er Newski eine günſtige Carriere eröffnet; von ſeinen glänzenden Gaben in der Folge angezogen, und in ſeiner Lage eine gewiſſe Aehnlichkeit mit der ſeinigen findend, ſuchte er ihn ſo viel als möglich weiter zu bringen: er vertrauete ihm Aufträge, deren Erfolge ſo glänzend waren, daß ſie ſogar ſeine eigenen im Dienſte verdunkeln konnten. Doch dem Grafen war der Neid fremd und er fürchtete keine