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Petersburg am Tage und bei Nacht. 1.-4. Bändchen
Entstehung
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des Kranken? Weil der Kranke nur ein phyſiſches, ſie aber ein moraliſches Fieber hatte. 6

Arme, arme Olga! Haſt Du Dich wenigſtens jetzt verſtanden! Gewiß nicht, denn Du betrachteſt Dich als die Allerglücklichſte auf Erden, weil Du glaubſt, daß die⸗ ſer Zuſtand das ganze Leben hindurch andauern würde! Und was wäre, wenn Olga dieſe brennend heiße Stirne mit ihren Lippen berührte.... O, wie viel Seligkeit in einem ſolchen Kuſſe! Doch Olga würde dies nie wagen.. es iſt ſchrecklich. Warum? Nie⸗ mand ſieht's ja... Naſar Naſarowitſch bemerkt wachend faſt nichts; überdem würde er Alles herrlich finden, was ſein Liebling thut, und hier ſchläft er ſogar... Nacht und Stille rundum und im Zimmerchen beleuchtet das Lämpchen nur ſchwach das ſchöne Geſicht Newskis, von Krankheit und irdiſchen Sorgen durchzuckt. Warum alſo nicht die Stirne küſſen? Olga nahm mit einem unter⸗ druͤckten Seufzer die Hand vom Haupte des Kranken. Vielleicht hatte fie bemerkt, daß ſie ſie länger gehalten habe, als zur Beobachtung des Krankheitslaufes nöthig ſei. Das angeborne Schamgefühl war, wie es ſchien, ſelbſt dadurch verletzt. Olga blickte immerfort auf Newski, horchte auf ſeinen Athem und ſchien ihn mit Wolluſt einzuſaugen. Mein Gott, was iſt Dir, meine arme Olga? und wie ſchön biſt Du!... Doch Newski hat aufgeſeufzt, ſich bewegt, die Augen geoffnet. und die Nacht des Südens, die ſternenbeſäete, voll berau⸗ ſchender Wolluſt und Ueppigkeit lag vor OlgaSie verlor faſt das Bewußtſein vor Schreck, daß ſie Newski hier neben ſich erblicke Doch die Augen des Kran⸗ ken ſchloſſen ſich wieder. Olga ſeufzte vor lauter Glück und blieb in der früheren, beſchaulichen Stellung.

So fand ſie die Dämmerung, der Morgen, ſo fan⸗ den ſie die Mutter und der erwachte Naſar Naſarowitſch.

Plötzlich ward das Rollen eines Wagens vernom⸗