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Petersburg am Tage und bei Nacht. 1.-4. Bändchen
Entstehung
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wußte ſie ſelbſt nicht, wie ſie die Erlaubniß hätte geben können, Newski im Zimmer ihrer Tochter anzubringenz Alles war ſo raſch geſchehen, daß ihr ſchüchterner Verſtand das vor ihren Augen Vorgefallene nicht recht zu kombini⸗ ren vermochte.

Im grauen Häuschen trat nach und nach Stille ein. Die von der unruhigen, ſchlafloſen Nacht erſchöpfte Alte legte ſich nieder, den Kranken der Pflege ihrer Tochter und ſie dem ehrenwerthen Naſar Naſarowitſch anvertrauend; ſeine Anweſenheit in Olga's Zimmer ſollte ſie vom Tadel der Welt freiſprechen, denn die zärtliche Mutter bewahrte nicht nur die ſchöne Seele ihrer Tochter, ſondern auch ihren Namen vor jedem Makel. Außerdem war Piroſch⸗ kow dem Kranken ſelbſt von Nutzen: er beſtimmte die Frauen, ihn nicht zu beunruhigen, ihm nichts zu trinken zu geben und ihn, nachdem ſeine Wunde gewaſchen war, der Pflege der wohlthätigen Natur zu überlaſſen, die ſür die Jugend der beſte Arzt iſt. Wirklich beruhigte ſich Newski, der zuerſt im Fieber delirirte, nach und nach und fiel in einen heilſamen Schlaf. Naſar Naſarowitſch war im Lehnſeſſel eingeſchlummert.

Nur Olga wachte. Sie ſchloß kein Auge, ſie wandte keinen Blick von dem blaſſen, leidenden Geſichte des Krau⸗ ken, ſie ſaß ſchweigend, ſelbſt den Athem zurückhaltend, auf dem Rande des Bettes. So ſaß ſie lange unbeweg⸗ lich da, während ſich in ihrem Innern ein Drama aus dem Leben eines neunzehnjährigen, unerfahrenen Mädchens entwickelte, ein Drama, veſſen Ende weder der Zuſchauer, noch die handelnde Perſon ſelbſt vorausſehen konnten⸗ Endlich erhob Olga ſchüchtern ihre brennende, zitternde Hand und legte ſie auf die hohe, edle, gedankenreiche Stirn des Dulders; in ihrer Eigenſchaft als Krankenpfle⸗ gerin hielt ſie es für erlaubt: ſie mußte ja wiſſen, ob die Hitze ſich vermindert habe oder nicht. Doch warum zit⸗ terte ſie ſo ſtark, warum klopſte ihr Herz heftiger als das