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Petersburg am Tage und bei Nacht. 1.-4. Bändchen
Entstehung
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Auswahl erfüllte, als man bei ſeinem Eingenommenſein von den Wiſſenſchaften vorausſetzen konnte. Er beſchwerte das Mädchen nicht mit mathematiſchen Kenntniſſen, die eine fortwährende Anſpannung des Geiſtes erforderten, was, wie Piroſchkow ſelbſt ſehr richtig bemerkte, das Herz eines Frauenzimmers ertödtet, das ſich für eine wichtigere Beſtimmung frei erhalten muß. Naſar Naſarowitſch hatte dieſe Wahrheit mehr errathen als begriffen. Er unter⸗ richtete ſie nur in Naturwiſſenſchaften. Olga war die Geſchichte faſt ganz unbekannt. Sie hatte nie Romane geleſen, nie Geſellſchaften beſucht und befand ſich in völ⸗ liger Unwiſſenheit über den innern Kampf des Menſchen mit ſich ſelbſt oder mit der Geſellſchaft, über das furcht⸗ bare Spiel der Leivenſchaften, dem das Menſchengeſchlecht zu jeder Lebenszeit ausgeſetzt iſt. Ihr Herz entfaltete ſich unter dem zarten Hauche der Mutterliebe und der freund⸗ ſchaftlichen Zuneigung des Naſar Naſarowitſch. Sie be⸗ rauſchte ſich auch an der Harmonie der Muſik, denn die Mutter hatte einen alten Lehrer aufgeſtöbert, der ſo fa⸗ natiſch für die Muſik war, als Naſar Naſarowitſch für die Wiſſenſchaft. Sie ſuchte ihre Tochter dem Einfluſſe der Frauen zu entziehen, da ſie all das Gift ihrer böſen. Zungen an ſich erfahren hatte und überzeugt war, daß das eigene Schamgefühl ſie vor allem Böſen bewahren würde; auch waren ſolche Männer, wie Naſar Naſaro⸗ witſch und der Muſiklehrer Schulz, nicht ſehr geföhrlich. Ueberdem glaubte ſie feſt an die Herzensreinheit ihrer Tochter. 8

Wenn auch frei und unerfahren, aber von Natur aus zur Thätigkeit geneigt, von der innigſten Frömmigkeit durchglüht, die die Mutter ihr einzuflößen gewußt, konnte Olga vom Pfade der Tugend nicht abweichen. Sie kannte keine andere Gefühle als die Liebe ihrer Mutter und die Dankbarkeit der Armen, die ſie unterſtützte. Es verſteht ſich von ſelbſt, daß ſie an die Aufrichtigkeit dieſer Dank⸗ barkeit unbedingt glaubte.