Druckschrift 
Petersburg am Tage und bei Nacht. 1.-4. Bändchen
Entstehung
Einzelbild herunterladen

7

Der alte Herr wickelte ſich in ſeinen Paletot und ſchenkte ſeinen Worten keine Aufmerkſamkeit mehr. Der Lakai ſtieß den Zerlumpten bei Seite und wollte die Wagenthüre zuwerfen, doch das Fräulein hielt ihn auf.

Höre, ſagte ſie, fich an den Jungen wendend,nimm dieſes hieres iſt kein Almoſen, nur zum Andenken an michhorſt Du, nur zum Andenken.

Ihr ſehet, ſie war großmüthig: ſie wollte durch⸗ aus nicht die Schuldnerin des armen Straßenjungen bleiben; und mit Gold läßt ſich Alles bezahlen, ſelbſt unſere gewaltigſten Geſühle und die momentanen Launen des Herzens. Und was war's hier weiter als ein Straßen⸗ junge? der Lohn dieſes Weibes war ungewöhnlich und mußte ihn entzücken. Der Zerlumpte ſtreckte jedoch höchſt ungern die Hand hin, ungewiß, wozu er ſich entſchließen ſollte und nahm die Goldmünze, die ihm das kleine in einen Glagehandſchuhe gehüllte Händchen reichte.

Der Wagen rollte fort, der Knabe blickte bald auf den fortrollenden Wagen, bald auf die auf der flachen Hand liegende Münze. Ein neues Gefühl ſchlich ſich durch ſeine Bruſt, und verſchwand wieder: ſeine Ge⸗ danken nahmen ihren gewöhnlichen Lauf; er drückte das Golvſtück in die Hand und ſchüttelte den Kopf.

Nun find ſie fort! rief er aus:wie Zugvögel; ſie kommen in ein warmes Gemach, eſſen ſich ſatt und ſchlafen bis zum hellen Tage Ein wahres Herrenleben!

Er ging weiter, aber er ſang nicht mehr, er pfiff nicht mehr, trat in die Vorhalle einer Kirche, legte ſich in einen Winkel nieder, krümmte ſich zuſammen und ſuchte einzuſchlafen. Doch gegen alle Gewohnheit ſchlief er diesmal faſt gar nicht; fürchtete er, daß man ihm im Schlafe das Golpſtück ſtehle, oder nahm ihn ein anderes Gefühl in Anſpruch, ich weiß es nicht. Genug, noch vor Tagesanbruch ſtand er auf und ſein erſtes Geſchäft war, ſeinen Reichthum in Augenſchein zu nehmen.