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Die alte Jungfer : eine Erzählung / von der Verfasserin des "Tagebuchs eines armen Fräuleins" [d.i. Marie Nathusius]
Entstehung
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Müggeburg, den 15. März 1837.

Die Leiden der armen Frau werden immer größer, und tröſten kann ich ſie nicht. Ich muß ihr aus der Bibel und aus Erbauungsbüchern vorleſen; will ich aber irgend eine Anwendung auf ihren Zuſtand machen, wird ſie böſe. Mein Kind, eine Geſellſchafterin muß einer Kranken nie bange machen, ſie nie mit traurigen Bildern beunruhigen, ſie muß mit angenehmen Bildern zu zerſtreuen ſuchen. Den 16. April.

Ganz einfach und natürlich entwickeln ſich Dinge in der Welt, die, wenn ſie fertig ſind, wie ganz wunderbar ausſehen. Mir iſt es wunderbar, wenn die Köchin zu mir kömmt und nach dem Küchenzettel fragt, und wenn ich mit den Schlüſſeln im Hauſe umhergehe und ganz nach Belie⸗ ben Anordnungen mache, oder wenn ich in meinem Zim⸗ mer bin. Mein Zimmer! welch ein Klang iſt das, ein Raum der mir gehört, darin ich mich abſchließen kann und die ganze Welt mich nichts angeht. Hier ſtehen meine Blumen, dort meine Bücher, dort mein Arbeitskörbchen und auf dem Clavier liegen die Lieblingsnoten. Ich freue mich, daß ich ſo viel Anlagen zum Altjüngferlichen habe, dieſe Sauberkeit und Ordnung thut mir ſo wohl; ich habe freilich nicht viel Zeit in meinem Reiche mich aufzuhalten, aber ich ſehe einmal hinein, gehe durch und weiß, daß es mir gehört. Wenn ich dann aber allein bin, kann denken und ſinnen und hinaufſchauen, ja, es iſt ein Geheimniß um ſolche Seligkeit, der Herr giebt ſie gern