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Die alte Jungfer : eine Erzählung / von der Verfasserin des "Tagebuchs eines armen Fräuleins" [d.i. Marie Nathusius]
Entstehung
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Sie und Tante Adelgunde waren in dem Hauſe ihres Großvaters, des reichen und vornehmen Generals v. Gro⸗ buſch erzogen, die Mutter als die geringgeachtete bürger⸗ liche Enkelin. Des Generals Tochter hatte mit dem höch⸗ ſten Widerſtreben der Eltern einen bürgerlichen Offizier ge⸗ heirathet und war dann früh Wittwe geworden und auch früh geſtorben. Adelgunde dagegen trug den Namen des Großvaters, und obgleich ihr Vater ein entſetzlicher Ver⸗ ſchwender geweſen und nur ſein früher Tod den alten El⸗ tern etwas Vermögen gerettet, ſo war Adelgunde doch die geliebte und bevorzugte Enkelin. Ob unſere Mutter den Vater aus Liebe geheirathet, oder ob um der drückenden Lage im großelterlichen Hauſe zu entgehen, wißte ich nicht; ich erinnerte mich aber wohl, wie der Vater immer glück⸗ lich und fröhlich war und mit der Mutter im beſten Frie⸗ den lebte. Der Großvater hatte bei ſeinem Tode Adel⸗ gunden ziemlich den ganzen Reſt des Vermögens vermacht, damit ſie ihres Namens und Standes würdig leben konnte. Tante Adelgunde lebte mit der Mutter immer im freund⸗ lichſten Verkehr, ſie war viel zu gutmüthig und unſelbſtän⸗ din, um der Mutter die bürgerliche Heirath lange nachzu⸗ tragen, eine Reiſe zu uns war ihrſ in jedem Jahr eine Nothwendigkeit, ſie hatte außer uns keinen Verwandten in der Welt und wegen ihrer Sonderbarkeiten auch we⸗ nig Freunde.

Tante Adelgunde gehörte zu der traurigſten Art von alten Jungfern. Von Jugend auf darauf hingewieſen, in