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Die alte Jungfer : eine Erzählung / von der Verfasserin des "Tagebuchs eines armen Fräuleins" [d.i. Marie Nathusius]
Entstehung
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Lotichen, entgegnete Fritz ſehr verſtändig, ich werde nie etwas dagegen haben, aber Anna paßt nicht dazu(ſetzte er nachdenklich hinzu), lieber Eliſabeth.

In ſeinen Worten lag ein Tadel für mich und doch wieder eine Schmeichelei, die ich gern hörte. Eliſabeth, meine ſechzehnjährige Schweſter, war weit weniger begabt und hübſch als ich, das wußte ich, und ſie war ſtets be⸗ reit, mir ihre Suldigung darzubringen, und dennoch hatte ich ein Gefühl des Reſpectes vor ihr, deſſen Urſach zu er⸗ gründen ich nie Luſt hatte. Sie trat eben zu uns, ihr ſchlichter blonder Scheitel, ihre guten blauen Augen, ihre roſigen Wangen ſahen hübſch genug aus, ſie trug die ganze Schürze voll trockner Blumen. Die Rabatten habe ich ſo ſchön geſäubert, ich hoffe, Tante Adelgunde wird keine einzige trockne Blüthe entdecken, ſagte ſie vergnügt. Mit dieſer Tante Adelgunde, entgegnete Lottchen, es iſt wirklich als ob der Großmogul käme. Länger als einen Tag habe ich auch nicht Luſt, hier den Feinen zu ſpielen, ſagte Fritz, dann ziehe ich ab und mache meine Fußreiſe. Du brauchſt Dich auch nicht den einen Tag zu bemühen mit der Feinheit, lachte Lottchen, es wird Dir nichts helfen. Adel⸗ gunde hat mir ganz ernſthaft verſichert, die blonden unter euch Kindern ſchlügen nach den Freimans, die würden nie begreifen, was Manier und Sitte iſt. Als ich ihr ent⸗ gegnete, euer Vater, mein ſehr lieber Vetter, ſei doch ein recht feiner, manierlicher Herr geweſen, ſagte ſie ganz ver⸗ traulich: Liebes Lottchen, Sie ſind geſcheut genug, den