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Die alte Jungfer : eine Erzählung / von der Verfasserin des "Tagebuchs eines armen Fräuleins" [d.i. Marie Nathusius]
Entstehung
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Wer ledig iſt, der ſorget, was dem Herrn angehöret, wie er dem Herrn gefalle. Und wer ledig iſt, iſt ſo ganz auf den Herrn angewieſen, das iſt ein unveränderlicher, treuer, liebreicher, zartfühlender und theilnehmender Freund, bis die Erde ſchwindet, bis unſer Jugendleben mit aller weltlichen Hoffnung und Luſt, aller weltlichen Freude und Herrlichkeit in grauem Nebel zurücktritt, und das Gefühl des Alters mit dem ſeligen Gefühl der Himmelsnähe ver⸗ bunden iſt und uns friſch und fröhlich und jung und ſehn⸗ ſuchtsvoll und wunderbar poetiſch bewegt. O Jeruſalem du ſchöne,

Ach wie helle glänzeſt du!

Ach welch lieblich Lobgetöne

Hört man da in ſtolzer Ruh⸗

O der großen Freud und Wonne,

Jetzund gehet auf die Sonne, Jetzund gehet an der Tag, Der kein Ende nehmen mag.

Es war im Herbſt 1828, ein wunderſchöner Septembertag, die Sonne kochte die vollen Weintrauben hinter den Spalieren, heiß war es aber dennoch nicht,. ein erquickender Hauch kühlte die Wange, alles glänzte in den friſcheſten Farben, der blaue Himmel, die Aſtern und Georginen und Malven, und der Wald drüben und die Wieſen davor, ich ſaß vor der Thür des Häuschens, das unter dem Kirſchen und Kaſtanienhügel ruht, unter der Weinlaube, einige Stufen führten zu mir herauf, ich mußte etwas hinabſchauen auf die übrige Welt. Ich war neunzehn Jahr und ſehr glücklich, meine Fantaſie träumte