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Die alte Jungfer : eine Erzählung / von der Verfasserin des "Tagebuchs eines armen Fräuleins" [d.i. Marie Nathusius]
Entstehung
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es iſt eine leichte Speiſe, die Kindern gegeben wird, ernſte Chriſten, die darin keine Nahrung mehr finden, wiſſen ja, wohin ſie ſich zu wenden haben. Daß den Chriſten die Nahrung mannigfaltig zu Theil werden muß, ſteht in der h. Schrift, der Herr hat darum ſeine Gaben ſo verſchie⸗ den ausgetheilt. Du Fritz, wandte ich mich zu meinem ernſthaften Neffen, würdeſt vielleicht in ernſten, eindring⸗ lich mahnenden Geſetzespredigten und eben ſolchen Erbau⸗ ungsſchriften Deinen Beruf vom Herrn empfangen, zum Segen und zur Hülfe nicht allein für Kinder im Evange⸗ lium, ſondern für reifere und erfahrenere Chriſten; da⸗ gegen würde Eliſabeth,(wandte ich mich zur 16 jährigen Tochter meiner Schweſter), wenn ſie etwas ſchriebe, ſich einen beſcheideneren Wirkungskreis erwählen, vielleicht für junge Mädchen und Frauen, ſie würde dann aber auch nicht anders konnen, als das Chriſtenthum wie es in ihrem Herzen lebt darzuſtellen. Du Fritz könnteſt ihr den Vor⸗ wurf machen, daß es zu leicht und lieblich iſt; daß aber die Urſache in ihr eine Geringſchätzung der Sünde, ein ſich Abwenden von unſerer natürlichen menſchlichen Ver⸗ derbniß und Häßlichkeit iſt, würdeſt Du ihr nicht zum Vorwurf machen können, wohl nur Mangel an Erfahrung und Kenntniß der Welt. Außerdem überwindet eine fröh⸗ liche und zuverſichtliche Natur äußere und innere Schwie⸗ rigkeiten leichter als eine, die ernſter und ängſtlicher iſt. Nach dieſen Eigenthümlichkeiten, die eben ſo viel Licht⸗ als Schattenſeiten haben, geſtaltet ſich natürlich auch ein