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Die alte Jungfer : eine Erzählung / von der Verfasserin des "Tagebuchs eines armen Fräuleins" [d.i. Marie Nathusius]
Entstehung
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denen alles gelingt, die alles liebt, die weder von Unge⸗ ſchicklichkeiten noch von der Sünde ſich gehemmt fühlen, immer freudig und glücklich ſind, da es doch in der Bibel heißt: die hier mit Thränen ſäen, ſollen dort mit Freu⸗ den erndten. Schließlich müßten die Feinde des Herrn mit deſto ſchärferem Blick die Fehler an ſeinen Jüngern entdecken, wenn ihnen von Chriſten ſolche Bilder der Lie⸗ benswürdigkeit und Vollkommenheit als möglich hingeſtellt werden.

Die beiden Couſinen, die in dieſen Erzählungen ihre Lieblinge hatten, waren deren ſo warme Vertheidiger, daß ſie eigentlich meiner Hülfe nicht bedurft hätten. Das letzte Bedenken wollten ſie gar nicht berückſichtigt wiſſen. Was die Feinde Chriſti denken und ſchließen von Sachen, die zum Nutzen und Segen der Kinder Gottes geſchehen, darf gar nicht in Betracht kommen, es kann nur erwogen wer⸗ den, ob es den Jüngern des Herrn wirklich zum Segen oder zum Schaden gereicht. Nebenbei aber, wenn die Feinde Chriſti zufällig ſolch eine Erzählung in die Hände bekommen, iſt es ihnen beſſer von der Seligkeit und Freu⸗ digkeit des Glaubenslebens zu leſen, als die Schwachhei⸗ ten und Fehler der Chriſten, die innern Kämpfe und Zweifel kennen zu lernen. Das ernſte Leben im Herrn, der Kampf mit der Sünde muß die Grundlage einer jeden chriſtlichen Erzählung ſein, aber ſolche Schriften können und ſollen doch nicht Erbauungsbücher ſein, ſie ſind zur erfriſchenden Unterhaltung und Erholung geſchrieben. Oder

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