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Du kömmſt zur rechten Zeit, Tante Anna, riefen verſchiedene Stimmen, Fritz hat hier ernſthafte Fragen auf⸗ geworfen, wir können ſie ihm nicht recht beantworten, und der Vater hilft uns nicht. Ich ſetzte mich zu meinen lie⸗ ben Neffen und Richten, Kindern meines lieben Bruders und einer theuren verwittweten Schweſter, die ſich hier in der Pfarre zur Feier des Oſterfeſtes zuſammen gefunden. Erſt aber mußten meine Frühlingsblumen bewundert und geordnet werden, dann kamen die ernſthaften Fragen an die Reihe. Die neuern chriſtlichen Erzählungen, die eng⸗ liſchen und amerikaniſchen und auch die deutſchen, hatten dieſe Fragen angeregt. Fritz, der zwanzigjährige ernſthafte Theologe, der Sohn des Bruders, wollte finden, daß in dieſen Erzählungen der Kampf gegen Fleiſch und Blut und gegen die Sünde im eignen Herzen zu leicht hingeſtellt wird; daß den Nachfolgern des Herrn alle Herzen ſo leicht zufallen, was durchaus nicht ſein darf, weil der Welt Freundſchaft Gottes Feindſchaft iſt; daß, wenn es den Helden in dieſen Erzählungen auch anfänglich ſchlecht geht, äußeres Wohlergehen und eine glückliche Heirath meiſtens das Ende ſind, da des Chriſten Ziel nur die Seligkeit und nicht das irdiſche Glück ſein ſoll. Fritz wollte die Urſache dieſes leichten lieblichen Chriſtenthums in der Ge⸗ ringachtung der Sünde, im Abwenden von der eigentlichen häßlichen Geſtalt, in der wir alle hier noch wandeln, fin⸗ den, und fürchtete, das manche kämpfende Seele könnte muthlos werden im Vergleiche mit dieſen idealen Bildern,


