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Die alte Jungfer : eine Erzählung / von der Verfasserin des "Tagebuchs eines armen Fräuleins" [d.i. Marie Nathusius]
Entstehung
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Ich will dich lieben, v mein Leben Als meinen allerbeſten Freund, Ich will dich lieben und erheben, So lange mich dein Glanz beſcheint, Ich will dich lieben, Gotteslamm, Als meinen Seelenbräutigam!

Ach, daß ich dich ſo ſpät erkennet, Du hochgeliebte Liebe du, Und dich nicht eher mein genennet, Du höchſtes Gut und wahre Ruh! Es iſt mir leid, ich bin betrübt, Daß ich dich hab ſo ſpät geliebt.

Es iſt erſt Mitte März, die warme Frühlingsſonne trieb mich heute hinaus, ich ging nach meiner Lieblings⸗ höhe, und als ich den Fußſteg zwiſchen den jungen Haſel⸗ ſtauden ging, ſah ich über mir an der ſonnigen Höhe Kinder klettern. Sollten ſchon Blumen blühen? dachte ich freudig und rief ihnen zu: Suchet Ihr Leberblümchen? Nein, war ihre Antwort. Das war dumm gefragt, dacht ich und rief noch einmal: ich meine Haſſelblumen. Ja! riefen die Kinder, und drüben über dem Bach ſind auch Schneeglöckchen. O welch eine Jugendluſt fühlte ich in meinem Herzen und auch in den Füßen, ich kletterte rüſtig höher hinauf und pflückte im warmen Sonnenſchein die lieblichen lichtblauen Haſſelblumen, damit ging ich hinab in das kleine Thal und fand zwiſchen Ellerngebüſch im feuchten Mooſe die ſchönen großen Schneeglöckchen mit den goldnen und grünen Kanten an den zarten weißen Kleidern. Grüne Epheuranken und junge Erdbeerblätter pflückte ich dazu und ſo reich beladen erreichte ich meinen Lieblings⸗