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Rosa : ein Lebensbild / von Agathe Rutenberg
Entstehung
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dieſe Wahl wundert mich wirklich, das iſt eine ſo eitle und ſelbſtſüchtige, junge Dame.

Lucie war bei dieſer Nachricht leicht erröthet und ſpielte verlegen mit einer Roſe, die ihr Hermann am Mor⸗ gen gepflückt hatte und die vor ihr auf dem Tiſche lag. Obgleich ſie Leo durchaus nicht mehr liebte, ſo fühlte ſie doch ſtets ein warmes, faſt ſchweſterliches Intereſſe für ihn und es durchzuckte ſie jedes Mal, ſobald nur ſein Name ge⸗ nannt wurde. Doch bald hatte ſie ihre gewohnte Faſſung wieder gewonnen, wie ſie ja ſtets völlig ihre Gefühle zu be⸗ herrſchen verſtund und erhob ihre blauen Augen ſo heiter und ruhig wie immer.

Fräulein von Grünheim wird durch die Liebenswür⸗ digkeit ihres Gatten gewiß dahin geführt werden, ihn mehr als ſich zu lieben und um ſeinetwillen ihr gefallſüchtiges Weſen abzulegen, ſagte Roſa ſanft.

Das Urtheil der Frauen iſt doch immer milde und vorzüglich das Deinige, meine ſüße Roſa, entgegnete Walther, während ſein liebender Blick dem ihrigen be⸗ gegnete.

In dieſem Augenblicke aber meldete das Mädchen, daß Jemand aus dem Dorfe den Herrn Prediger zu ſprechen wünſche, und Nordeck entfernte ſich daher. Während ſeiner Abweſenheit ſprach Hermann mit Eliſen von den Verände⸗ rungen, die er auf ſeinem Gute hatte treffen laſſen und Roſa unterhielt ſich mit Lucien von der Eintheilung ihrer Zeit,

ihrer Geſchäfte und von ällen ihren kleinen Plänen.