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Rosa : ein Lebensbild / von Agathe Rutenberg
Entstehung
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von neuem auf das Herrlichſte entfaltet. Wer ſie des Sonntags in der Kirche ſah, gerade unter der Kanzel in ihrem Stuhle ſitzend und zu Walther aufſchauend, ſeinen tiefen, heiligen, begeiſterten Worten lauſchend, der konnte in ihren Blicken leſen, daß er es war, dem ſie ihr ganzes liebendes Herz hingegeben, er, dem ſie ihr ganzes Leben und Sein widmete, er, auf deſſen Beſitz ſie ſtolz war. Und Walther, der Roſa ja ganz erkannte, wußte dieſe Hingebung ſo zu würdigen, wie wohl ſelten ein Gatte. Durch ſeinen feſten, männlichen Charakter ſuchte er ſie zu ſtützen, er ſuchte

ihr jedes Leid, jeden Kummer fern zu halten und ſie auf Blumenwegen durchs Leben zu führen. Und es gelang ihm, denn der echten wahren Liebe gelingt auch die ſchwerſte Aufgabe.

Nordeck legte jetzt das Buch, aus welchem er den Frauen vorgeleſen hatte, fort und bewillkommnete Hermann, der, nachdem er die Anhöhe hinaufgeſchritten war, zu der Geſellſchaft trat.

Nun, find Sie ſchon mit Ihrer Zeihting fertig, fragte Eliſe.

So eben habe ich ſie beendet, erwiderte Hermann, indem er das Blatt, das er in der Hand hielt, entfaltete.

Es iſt der Natur recht treu, ſagte Walther lächelnd, man glaubt ganz unſer Häuschen zu ſehen.

Ja, das iſt die große Linde vor unſerer Wohnſtube, rief Roſa,und das iſt das Fenſter Deines S

an dem ich immer ſo gern ſitze, Walther..