Druckschrift 
Rosa : ein Lebensbild / von Agathe Rutenberg
Entstehung
Einzelbild herunterladen

185

Alle, nur Gertrud ausgenommen, die wieder zur Gräfin von Perlberg zurückkehrte, ſollten nun noch vierzehn Tage in Nordeck's Hauſe vereint bleiben, ſich vereint ihres Glückes freuen und dann Hermann und Lucie mit deren beiden Schweſtern ſich auf ihr Gut, das nur drei Meilen von dem Dorfe entfernt war, begeben, wo dann Eliſe bei Lucien bleiben und Meta's Erziehung leiten ſollte.

An dem letzten Abend ihres Zuſammenſeins ſaßen Alle noch einmal in dem großen, ſchönen Garten, der an das Pfarrhaus grenzte und ſich weit bis zum Feld hin erſtreckte. Sie ſaßen an Roſa's Lieblingsplatze unter dem Laubdach einer großen ſchattigen Linde, die ſich auf einer kleinen An⸗ höhe befand, von der aus man den ganzen Garten, der mit den vielen Obſtbäumen und den grünen Weingeländern voll herrlicher Trauben einen gar hübſchen Anblick gewährte, überſehen konnte.

Da kommt Hermann, ſagte Lucie, indem ein Lächeln über ihr roſiges, ſchönes Geſicht flog, und ihre Augen heller ſtrahlten.

Roſa, welche neben ihr ſaß, blickte von ihrer Arbeit auf, ſtrich ihre langen braunen Locken zurück und lächelte gleichfalls, indem ſie ſagte:Wirklich, er iſt es ſchon.

Man hätte keine reizendere junge Frau als Roſa ſehen können. Sie ſah ſo friſch, ſo munter aus und Glück und Wonne ſtrahlten aus ihren braunen Augen. Sie glich einer zarten Frühlingsblume, die fruͤh ſchon von Stürmen geknickt, ſich unter liebender Sorgfalt und ſicherem Schutz

*