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Rosa : ein Lebensbild / von Agathe Rutenberg
Entstehung
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ihre Hand auf ewig in die Walther's, deſſen ſchönes männ⸗ liches Geſicht heiligen, tiefen Ernſt ausſprach, legte.

Ein weißes Atlaskleid zierte Lucien's hohen, ſchönen

Wuchs; ein langer, weißer Schleier umhüllte ſie und die blühende Myrthenkrone wand ſich durch ihre goldenen Fl echten. Sie ſah wunderbar ſchön aus, ihr Antlitz glich dem einer Madonna, ihr ſtrahlendes, blaues Auge war in tiefen Gefühle erhoben, ihre Wangen ſanft geröthet und ihr J tönte klar und beſtimmt, während Hermanns ſchwär⸗ meriſcher Blick in ſeliger Begeiſterung auf ihr ruhte.

So wurden ſie getraut inmitten duftender Blumen, während Segenswünſche aus Aller Herzen zum Throne des Allmächtigen emporſtiegen. Als der Prediger den Segen geſprochen hatte, ſanken Roſa und Lucie in Eliſen's Arme, die mit Gertrud und Meta der Trauung beigewohnt hatte, und die tief ergriffen die ihr ſo Lieben an das Herz preßte.

Die Hochzeit wurde traulich und heiter, nur in dem Kreiſe einiger lieben Freunde, zu denen auch der alte Pre⸗ diger gehörte, der unſere Freunde getraut und früher in dieſem Dorf das Amt eines Geiſtlichen verwaltet hatte, in dem Predigerhauſe gefeiert, in ungetrübtem Frieden und reinem Glück.