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Rosa : ein Lebensbild / von Agathe Rutenberg
Entstehung
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den Gärten umgeben, nahe einem murmelnden Wieſenbache, lag das Dörfchen, in dem Nordeck das Ant eines verwaltete. Die Kirche, welche inmitten der weißen Häuſer aus dunklen Bäumen ehrwürdig hervorragte, war dicht mit Menſchen gefüllt. Es ſchien heute ein beſonderer Feſttag für die Bewohner des Dorfes zu ſein, denn das Innere des Gotteshauſes war mit Blumen und Laubwerk, den letzten Spenden des ſcheidenden Sommers, ſinnig und ſchön ge⸗ ſchmückt. So eben waren die letzten feierlichen Töne des Liedes, welches bie Gemeinde geſungen, der letzte brauſende Ton der Orgel verhallt, und tiefes Stillſchweigen eingetre⸗ ten. Die Worte eines alten, ehrwürdigen Geiſtlichen, um deſſen Scheitel nur noch ſpärliche Silberlocken ſpielten, auf deſſen edlem Geſichte ſich Milde und Ernſt vereinten, tönten jetzt klar und voll tiefen Gefühles durch die feierliche Stille, während ſein liebender, frommer Blick auf jene Brautpaare, die vor dem Altare knieten, ruhte.

Ein weißes Damaſtkleid umhüllte Roſa's zarte Geſtalt, ein Kranz von duftenden Orangeblüthen ſchlang ſich durch ihre dunklen, ſeidenweichen Locken, die auf ihren blenden⸗ den Nacken herabfielen und zum Theil von einem Schleier verdeckt wurden, welcher von ihrem Haupte herabfloß. In ihren ſchönen Zügen prägte ſich tiefes Gefühl und ſeliges

Glück aus, ihr Haupt war in lieblichem Erröthen geneigt,

Thränen zitterten an ihren langen Wimpern und das Ja klang leiſe, doch um ſo inniger von ihren Lippen, als ſie