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Lucie lauſchte aufmerkſam jedem Wort, und der Mond ſpiegelte ſich in einer Thräne, die an ihrer Wimper zitterte, als Roſa geendet.
„O, dieſer Steineck!“ rief ſie dann bewegt aus,„wie viel haſt Du durch ihn gelitten, meine arme Roſa! Aber Gottes Wege ſind ewig unerforſchlich und wunderbar; ſtets leitet er den Menſchen ſo, daß er, durch den Schmerz ge⸗ läutert, ſich um ſo inniger ſeines Glückes freue. Darum
dürfen wir nicht verzagen, ſondern müſſen auf ihn bauen, der uns nie im Kampfe des Lebens verläßt.“,
Es war Sonntag und nicht nur die Menſchen, ſon⸗ dern die ganze Ratur ſchien den Tag des Herrn zu feiern. Obgleich es ſchon Herbſt wurde, ſo prangte ſie doch noch in jener Friſche, die ihr ſonſt nur im Frühling oder Sommer eigen iſt. Die Bäume waren noch mit ihrem dunklen Grün bekleidet, die Blumen hauchten ſüße Wohlgerüche aus und der Himmel wölbte ſich durchſichtig und blau über die feſt⸗ lich geſchmückte Erde. Es herrſchte eine feierliche Stille, kaum ließ ſich das leiſe Zwitſchern eines Vögelchens ver⸗ nehmen, nur die Töne der Kirchglocken klangen hell und rein durch den ſchönen, ſtillen Morgen. Und inmitten die⸗ ſer ſcönez cir⸗ von goldenen Kornfeldern und blühen⸗


