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Rosa : ein Lebensbild / von Agathe Rutenberg
Entstehung
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geheimnißvollen Zauberlichte. Eine Weile ſchwiegen die beiden Freundinnen, endlich ſagte Roſa leiſe:Und wie konnteſt Du ahnen, was mir der Fremde war, meine Lucie?

Ich erkannte es an Deiner wechſelnden Farbe, an dem Ausdrucke Deines Geſichtes, an Deiner Erſchütterung überhaupt, als er eintrat, erwiderte die Gefragte, ihren Arm um Roſa's zarte Geſtalt ſchlingend.Aber, fuhr ſie dann fort,ſage mir nun auch, wo und wie Du ihn kennen lernteſt.

Ach, das iſt eine ſchöne, aber auch traurige Ge⸗ ſchichte, ſagte Roſa leiſe.

Sie ſchien einen Augenblick nachzuſinnen, dann lehnte ſie ſich dichter an die ſie noch immer umſchlungen haltende Freundin und theilte ihr die Geſchichte ihrer Liebe und ihrer Schmerzen mit. Es war das erſte Mal, daß ſie von Nordeck zu einem Andern ſprach, das erſte Mal, daß ſie die heiligſten, verborgenſten Gefühle ihres Herzens einem an⸗ dern Weſen mittheilte, daß ſie von ihren Leiden und Käm⸗ pfen aus dem tiefſten Grunde ihrer Seele ſprach. Sie hatte darüber zwar früher an Eliſe geſchrieben, aber es war das nicht jener Erguß ihres Gemüthes geweſen, den

nur die Sprache zu geben vermag und den ſie nun in Lu⸗

cien's hingebendes, warmes Herz ſchüttete. Ihre Stinme war leiſe und flüſternd, als ſie dies that, iie ge

ſenkt und ihre Wangen ſanft geröthet.