Druckschrift 
Rosa : ein Lebensbild / von Agathe Rutenberg
Entstehung
Einzelbild herunterladen

180

Glück nach Deinem liebevollen Rathſchluſſe zugleich zu be⸗ gründen.

So ſtanden Beide innig umſchlungen und richteten betend ihre Blicke zu dem tiefblauen Himmel empor, heilige Begeiſterung in den ſchönen Augen. Da rauſchten leiſe die Zweige, und Walther und Hermann, welche Roſa's letzte Worte gehört hatten, traten aus dem Gebüſch hervor. Hermann, der von Nordeck das Geſchehene erfahren hatte, und der nun, da Roſa ja n nicht mehr bedurfte, ſeine kühnſten Hoffnungen in Erfüllung gehen ſah, nahte ſich mit vor Freude leuchtenden Blicken der Letztern, die unter einer ſäuſelnden Birke lehnte und Roſa legte mit lieblichem Lächeln die Hand des erröthenden Mädchens in die des be⸗ geiſterten jungen Mannes.

Bald darauf ſaßen Alle in der Fliederlaube vor dem Hauſe, von der aus man einen ſo herrlichen Ueberblick über die ganze Gegend hatte, um den Theetiſch, dem Lucie mit hochgerötheten Wangen und ſtrahlenden Augen, als eine würdige Hertha, präſidirte, und niemals iſt wohl ein trau⸗ licheres Geſpräch geführt worden, als hier unter dieſen vier edlen, liebenswürdigen Menſchen, die ſich einander Alles waren, die in ihrer gegenſeitigen Liebe ihr höchſtes Glück auf Erden fanden.

Als ſich ſpät am Abend Nordeck und Sternthal ent⸗ fernt hatten, blieben Roſa und Lucie allein in der Laube zurück. Der Mond ſtand voll und klar an dem wolkenloſen Himmel und überſtrömke die weite Landſchaft mit ſeinem