Druckschrift 
Rosa : ein Lebensbild / von Agathe Rutenberg
Entstehung
Einzelbild herunterladen

179

Drei zuſammen ſein; die Erde müßte uns zum Paradieſe werden!

Lucie ſenkte verlegen die blauen Augen und ſtrich mit der Hand über die weiße Stirn, denn nun mußte ſie ja Roſa'n ihre Liebe zu Hermann und das Verſprechen, das ſie demſelben gegeben, verrathen. Doch nicht lange zögerte ſie, und mit dem richtigen Takte, der ſie nie verließ, mit jenen ſanften, gefühlvollen Worten, die nie ein Herz ver⸗ wunden, vhne es zugleich zu gröſten, ſetzte ſie Roſa'n die Nothwendigkeit ihrer Trennung einfach und klar ausein⸗ ander.

Roſa war überraſcht, denn obgleich ihr Hermann's feurige Liebe für das ſchöne Mädchen nicht entgangen war, ſo ahnte ſie doch nicht im Eutfernteſten, daß Lucie empfäng⸗ lich für dieſelbe geweſen, daß Beide im Einverſtändniſſe ſeien, und es ſchmerzte ſie zunächſt allerdings, ſich von ihrer Freundin trennen zu müſſen. Doch bald wich dieſe Em⸗ pfindung, die ſich in ihrem Geſichte ausprägte, dem Aus⸗ drucke der innigſten Theilnahme, und ſie rief aus:Wie gut Du biſt, meine liebe, liebe Lucie! Deine Jugend, Deine Schönheit, Alles, Alles, Alles wollteſt Du gir opfern und mich nie velaſſen! Möge Dir Gott Deine Liebe belohnen, er weiß es, wie ich nur in Dir lebte. Zu jeder andern Zeit wäre eine Trennung von Dir mein Tod geweſen, aber nun will ich nicht klagen, dens ich habe ihn ia wieder. O, nun begreife ich Dich ganz. Du himmliſcher Vater: Du giebſt mir ihn unſer beiderſeitiges