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Rosa : ein Lebensbild / von Agathe Rutenberg
Entstehung
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von der Vergangenheit und der ſchönen Zukunft, die nun in goldenem Glanze vor ihr lag.

Erſt als Lucie, die mit ihrem Begleiter zurückkehrte, das Gitter öffnete und in den kleinen Garten vor dem Hauſe trat, erhob ſie ſich und Walther bittend anblickend, eilte ſie hinunter ihr entgegen.

Lucie ſah heiter und ruhig aus, ohne in ihren Mienen den Kampf, der kurz vorher in ihrer Seele vorgegangen, zu verrathen; um ſo bewegter erſchien Roſa, deren Wangen höher glühten und deren Außen in hellem Glanze ſtrahlten. Sie bat Hermann, zu ſeinem Freunde hinaufzugehen, und Lucie umſchlingend, zog ſie dieſe in eine Birkenallee, die ſeitwärts die Anhöhe hinunterführte. Hier angekommen, verſuchte ſie zu ſprechen, aber ihge Gefühle übermannten ſie, und ſie vermochte nur, Lucie abermals in ihre Arme zu ſchtzeßen, worauf ſie ihr reizendes Haupt auf deren Schul⸗ ter lehnend in einen Thränenſtrom ausbrach. Lucie hatte ſie verſtanden. Ohne ein Wort darüber zu hören, errieth ſie doch, was hier vorgegangen, und vermied vorläufig alle weiteren Fragen mit der zarteſten Schonung.

Ich habe ihn wieder, flüſterte Roſa endlich, als ſich der Sturm in ihrem Innert ein wenig gelegt und ſie ſich

an Lucien's Bruſt ausgeweint hatte;ich habe ihn

wieder, den ich ſo unausſprechlich liebe, ohne den ich nicht leben nichts ſoll uns mehr trennen. Aber nicht wahr, meine Lucie, auch dann, wenn ich Walther's Gattin bin, verläßt Du mich nicht wie glücklich müßten wir