174
ſaß. Eine Weile ſchwiegen Beide; endlich ſagte Walther: „Wie wunderbar iſt unſer heutiges Zuſammentreffen! ohne es zu ahnen, ſollte ich Dich hier finden.“
Roſa erſchrak faſt, als dieſe Worte die bisherige Stille unterbrachen, und zugleich überraſcht von ihrem In⸗ halte, erwiderte ſie:„Wie? Du wußteſt Nichts von mei⸗ nem Hierſein? Sternthal hat Dir nichts geſagt—“
„Nein,“ unterbrach ſie Nordeck;„er hat es offenbar in der Erregtheit, in die ihm der plötzliche Wechſel ſeines Schickſals verſetzte, zu thun vergeſſen und ich ſelbſt muß mich nicht beſonders gedrungen gefühlt haben, darnach zu fragen.“
Roſa ſchwieg betroffen; aber nach einiger Zeit nahm ſie wieder das Wort und ſagte erröthend mit gedämpfter Stimme und geſenktem Blick: 3
„Nordeck— Du wäreſt wohl nicht gekommen, wenn Du gewußt hätteſt, zu Wem?“
„Vielleicht nicht,“ entgegnete der junge Prediger, ſeine dunklen Augen prüfend auf ſie richtend;„aber gewiß iſt es der Wille des Herrn, daß wir uns noch einmal wiederſehen ſollten, und wahrſcheinlich iſt es das letzte Mal.“
„Wir ſind noch jung,“ ſagte Roſa leiſe.
„Ja, aber das Leben iſt ein gebrechlich Ding und der Tod nahet uns oft ſchnell und unerwartet,“ erwiderte Nordeck ernſt;„nein, Roſa, für dieſes Leben hoffe ich Nichts mehr; meine Arbeit, mein Streben geht nur noch auf das Jenſeits hinaus; ich lebe, ich widme mich ganz


