169
zu ſammeln. Hermann ſprach nicht viel, er ſchien in Nach⸗ denken vertieft zu ſein und folgte Lucie'n ſo langſam, daß bei einer Krümmung des Weges ihm nur noch das zurück⸗ flatternde weiße Kleid ſeiner Führerin die Richtung, die dieſe genommen, verrieth. Nun jedoch beſchleunigte er ſeine Schritte, und nachdem er Lucien erreicht hatte, ging er, da der Pfad jetzt breiter wurde, an ihrer Seite, indem er fol⸗ gendes Geſpräch begann:
„Werden Sie den Winter in der Reſidenz zubringen, mein Fräulein?“
„Nein, wir werden nach B. zurückkehren, um es nicht wiederzu verlaſſen. Werden Sie in der Hauptſtadt bleiben?“
„Auch nicht, wenn Sie nicht dort ſind, ich werde ſchon in einigen Tagen auf ein Gut, das meinem Pflegevater gehörte und das äußerſt reizend gelegen iſt, reiſen. Ich habe es ſehr lieb, da ich dort den ſchönſten Theil meiner Jugend verlebte.“—
Es erfolgte eine Pauſe, welche Lucie, als ſie bald darauf unter ſchattige Bäume traten, ihren Hut, der ihr läſtig zu werden begann, abnehmend, durch irgend eine ſcherzhafte Bemerkung unterbrach.
„Nun find wir gleich am Ziele,“ ſagte ſie ſpäter, indem ſie ſchneller vorwärts eilte.
„Wie wild und romantiſch es hier wird,“ bemerkte Sternthal,„nur ſelten ſcheint ein menſchlicher Fuß hierher gedrungen zu ſein.“ 3


