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Rosa : ein Lebensbild / von Agathe Rutenberg
Entstehung
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hatte ſie zartfühlend nie in dieſes Geheimniß zu dringen geſucht. Heute nun ſchien ſich ihre Vermuthung zu beſtätigen, denn jedenfalls mußte Roſa ſchon früher mit dem ſchönen Fremden in nahe Berührung gekommen ſein. Und wie Lucie ſie nun nachdenkend betrachtete, glaubte ſie in Roſa's Mienen den Wunſch, mit ihm allein zu ſein, zu leſen, oder ſie bildete es ſich auch nur ein kurz, nach einiger Ueber⸗ legung erhob ſie ſich und ſagte:Da Sie heute vielleicht zum letzten Male hier ſind, Herr Sternthal, ſo kann ich nicht umhin, Ihnen, bevor Sie gehen, den herrlichſten Entwurf zu einer Landſchaft zu zeigen, den es geben kann. Vor einigen Tagen habe ich einen Punkt entdeckt, von dem aus man einen entzückenden Ueberblick der ganzen Gegend ge⸗ nießt; Sie könnten dieſen gewiß auch ſchnell ſtizziren. Nicht wahr, Du, liebe Roſa und Sie, Herr Prediger, werden uns nicht zürnen, wenn wir Sie auf einen Augenblick ver⸗ laſſen; wir werden uns beeilen ſogleich wieder hier zu ſein.

Roſa ſah überraſcht und verlegen aus und wollte eine Einwendung machen, aber Hermann, entzückt darüber, end⸗ lich einmal allein mit Lucie'n zu ſein, hatte ſich ſchon erhoben und ſeinen Hut ergriffen; auch Lucie war in kurzer Zeit zum Gehen bereit und beide verabſchiedeten ſich nun mit einem freundlichen Gruße.

Hermann folgte Lucien, deren reizende Geſtalt vor ihm auf dem ſchmalen Pfade zum Berge hinauf eilte und nur zuweilen ſtillſtand, um ihm einige Bemerkungen über den Weg zuzurufen oder Blumen zu einem Strauße für Roſa