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Nachdem ſich der junge Maler gefaßt hatte, begann und vollendete er ſeine Arbeit. Das Bild war wirklich außerordentlich ähnlich und man ſah es ihm an, wie Roſa ganz richtig geſagt hatte, daß es mit Liebe gemalt worden. Die Augen beſaßen jenen lebhaften Ausdruck, das Geſicht jene Friſche, jenen Reiz, den der Maler nur dann trifft, wenn er mit Begeiſterung ſeine Arbeit vollbringt. Und bei Niemand war dies wohl jemals mehr der Fall geweſen, als bei Hermann, welcher Lucie mehr aus ſeiner Seele, in welche ihr Bild mit glühenden Farben geprägt war, als nach der Wirklichkeit gemalt hatte.
„Nun, wollen Sie heute zum letzten Male nicht etwas länger bleiben, Herr Sternthal?“ ſagte Roſa herzlich, als
Hermann, nachdem er ſein Werk vollendet hatte, ihr die
Hand zum Abſchied reichte.„Ich dachte, Sie ließen es ſich heute gefallen, mit uns in der Fliederlaube oder auf der Terraſſe zu Mittag zu eſſen!“
Man ſah es dem Maler an, wie ſchwer es ihm wurde, dies Anerbieten abzulehnen. Doch nach einem kurzen Zögern ſagte er:„So gern ich auch von Ihrer Freundlichkeit Ge⸗ brauch machte, gnädige Frau, ſo iſt es mir doch nicht möglich. Geſtern, gleich nach jener freudigen Nachricht, erhielt ich den Beſuch eines lieben Freundes, den ich lange nicht geſehen habe und, da er mich ſchon morgen früh wieder verlaſſen wird, ſo muß ich ihm dieſen ganzen Tag ausſchließend widmen und kann ihn unmöglich länger allein laſſen.“


