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Rosa : ein Lebensbild / von Agathe Rutenberg
Entstehung
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Lucie antwortete nicht, ſondern fuhr eifrig fort zu ar⸗ beiten. Aber ſpäter ſaß ſie noch lange allein in ihrem. Schlafzimmer, den Kopf in die Hand geſtützt, und blickte hinaus in die dunkle, ſtürmiſche Nacht. Sie weinte. Jetzt, da ſie eine Trennung vorausſah, die, da der Sommer ſich ſeinem Ende zuneigte, erfolgen mußte, fühlte ſie deutlich, wie theuer ihr Hermann bereits geworden war. Seiner Gegenliebe war ſie dabei gewiß, denn, obgleich nie ein Wort in dieſer Beziehung über ſeine Lippen gekommen, ſo hatte ſie doch in ſeinen Blicken geleſen und wußte ſein ganzes Benehmen gegen ſie gar wohl zu deuten. Sie hatte den Grafen Auerbach geliebt; ſeine ſchöne Geſtalt, ſein männ⸗ liches, feuriges Weſen hatten ihr imponirt, aber es war eben nur ſeine Außenſeite, die ſie angezogen hatte: hier aber liebte ſie den inneren Menſchen, den ganzen Menſchen, und ſie fühlte tief, daß die Trennung von Hermann für immer eine Wunde in ihrem Herzen, eine Leere in ihrem Leben zurücklaſſen würde. Doch es war nicht Lucien's Art, ſich bloß durch Herzensneigungen beſtimmen und dauernd von dem Pfade, den ſie als den gebotenen erkannt hatte, ablenken zu laſſen. Das der Freundin gegebene Verſprechen treulich zu erfüllen, hörte nicht auf, ihr als heilige Pflicht zu er⸗ ſcheinen; Roſa, die ihrer Liebe ſo würdig als ihres Bei⸗ ſtandes unausgeſetzt bedürftig war, aus ſelbſtſüchtigen Rück⸗ ſichten zu verlaſſen, kam ihr unverzeihlich vor. Sie flehte Gottinnig um Kraft und Beiſtand in dieſem ſchweren Kampfe zwiſchen ihrer Liebe und ihrem Gewiſſen an, und als ſi

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