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Rosa : ein Lebensbild / von Agathe Rutenberg
Entstehung
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nung. Entſchloſſen, lieber zu ſterben als dem Zigeuner zu folgen, zog ich den Dolch, den ich bei mir trug, aus dem Buſen, und ihn auf meine Bruſt ſetzend, rief ich aus: „Wage nicht, mich anzurühren oder ich ſtoße zu!“ Jetzt war der Wagen ganz nahe, und ich hörte mehrere Stim⸗ men; zwei Männer eilten auf mich zu, der Zigeuner ent⸗ floh in den Wald und ich ſank ohnmächtig zu Boden.

Als ich die Augen aufſchlug, ſtand ein ältlicher Herr an meiner Seite, ſo viel ich in der Dunkelheit erkennen konnte; er bat mich, mit ihm in den Wagen zu ſteigen. Ich dankte ihm herzlich und während wir dem nächſten Gaſt⸗ hof zufuhren, erzählte ich ihm in kurzen Worten meine Ge⸗ ſchichte. Er hörte mir aufmerkſam zu und ſchien in Nach⸗ denken zu verſinken. Bald waren wir am Ziele und traten in das erleuchtete aber menſchenleere Gaſtzimmer. Er be⸗ trachtete mich einen Augenblick aufmerkſam, dann wurde er todtenbleich und zitternd meine Hand erfaſſend, rief er aus: „Um Gotteswillen, Du biſt meine Tochter! Ja, Du haſt das Geſicht, die Stimme Deiner unglücklichen Mutter, welche ich ſchändlicher Weiſe verlaſſen habe; o kannſt Du mir verzeihen, mein armes, mein geliebtes Kind!“

Ich ſtürzte an ſeinen Hals und weinte heiße Thränen der Freude und des Schmerzes. So war denn mein Va⸗ ter, den ich ſchon als Kind immer erwartet hatte, von weit her gekommen, ſein unglückliches Kind zu ſuchen und in die väterlichen Arme zu ſchließen; aber es war zu ſpät. Ich kehrte mit ihm nach Deutſchland zurück, doch die Kraft

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