32
Reiſe, entblößt von jeglichen Mitteln, vollenden? Schon mehrere Tage war ich faſt ohne Nahrung gewandert und hatte die Nacht unter freiem Himmel zugebracht, da am dritten Tage verließen mich meine Kräfte. Der Abend dunkelte bereits und noch war ich fern von jeder menſch⸗ lichen Wohnung. Die eintretende Nacht war finſter und ſchaurig und der Sturm heulte um mich her. Ich ließ mich auf meine Knie nieder und flehte Gott um Schutz und Beiſtand an— da legte ſich eine Hand ſchwer auf meine Schulter und eine mir wohlbekannte Stimme ließ die Worte hören:„Wanda, Du biſt es?! nein, das dachte ich wirklich nicht, daß ich Dich je wieder ſehen würde!“— Es war Lorenzo, der mich nun mit ſich fortführen wollte. Ich ſchauderte vor dem Gedanken zuſammen, wieder bei den Zi- geunern leben zu ſollen und vielleicht gar das Weib Loren⸗ zo's zu werden.
„Laß mich frei,“ rief ich aus,„ich bin theuer genug losgekauft worden, Du haſt kein Recht mehr auf mich!“
„Oho,“ ſagte der Zigeuner,„noch lange nicht theuer genug, Täubchen; denn ſeit Du von uns fort biſt, iſt alles Glück von uns gewichen und unſere Vorſtellungen ſind lange nicht mehr ſo beſucht als früher, wo die ſchöne Wanda die Hauptrolle darin ſpielte. Nein, Du mußt mit mir gehen, die Unſrigen lagern drüben im Walde.“
Und wieder umklammerte er mich mit nervigem Arme.
Da hörte mein lauſchendes Ohr durch das Geheul des
Windes das Raſſeln eines Wagens und ich ſchöpfte Hoff⸗
* 7


