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Rosa : ein Lebensbild / von Agathe Rutenberg
Entstehung
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Nun, ich glaubte wirklich, ich würde Dich heute gar nicht mehr ſehen, rief ihr Frau von Reichenbach entgegen, die eben ihre elegante Toilette beendet hatte.

Ich war ſo ermüdet von der geſtrigen Fahrt, er⸗ widerte ihre Nichte lächelnd;aber was verſäume ich hier denn auch, liebe Tante?

O, ſehr viel! entgegnete dieſe ſchnell,wir werden nun bald ausfahren, um Viſiten zu machen, damit ich doch

wieder meine früheren Bekanntſchaften anknüpfen und Dich

ihnen vorſtellen kann.

Roſa ſeufzte. Wie zuwider war ihr das Viſiten⸗ machen; aber der Tante gegenüber war jeder Widerſpruch unmöglich, und Roſa mußte ſich fügen, ſo ungern ſie es that. So rollte ſie denn bald an der Seite der Tante durch die Straßen der Stadt und ſchaute aus der prächtigen Karoſſe auf das Leben und Treiben der Menſchen herab. Die erſte Dame, die ſie beſuchten, war die Baronin von Lindau, eine äußerſt lebhafte, ſehr liebenswürdige und fein gebildete Frau. Sie empfing Frau von Reichen⸗ bach ſehr herzlich und widmete deren Nichte große Auf⸗ merkſamkeit.

Wollen Sie mich nicht heute Abend mit Ihrem Be⸗ ſuch beehren? fragte ſie freundlich.Ich habe hier alle Mittwoch ein kleines Leſekränzchen von jungen Leuten ver⸗ ſammelt; nach dem Leſen wird gewöhnlich der übrige Theil

des Abends dem Tanze, der Darſtellung lebender Bilder und anderer Unterhaltung gewidmet. Aber Frau von

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