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Rosa : ein Lebensbild / von Agathe Rutenberg
Entstehung
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gegenſtreckte, rief ſie aus:Mein Vater. Dann ſank ſie in die Kiſſen zurück und war nicht mehr!

An Roſa's ſchönen Wimpern hingen Thränen und leiſe ſagte ſie:So wird mir denn dies Zimmer nur um ſo lieber ſein. Arme Wanda!

Sobald ſie nur von der Tante, die ihrer ſchon unge⸗ duldig harrte, die Erlaubniß erhalten konnte, zog ſie ſich in ihr liebes, kleines Zimmer zurück.

Sie ließ ſich ermüdet von den Anſtrengungen der Fahrt auf dem rothen Sammet⸗Divan nieder. Das Zim⸗ mer war durch das ſanfte Licht einer Ampel zauberiſch er⸗ hellt, und Roſa prüfte nun erſt die einzelnen Gegenſtände, die ſich in demſelben befanden. Ueber ein ſchönes Piano⸗ forte hatte ſie ſich ſchon vorher gefreut; denn ſie liebte die Mußik ſehr; jetzt aber bemerkte ſie erſt einen kleinen Bücher⸗ ſchrank, der mit den Werken der berühmteſten deutſchen und ausländiſchen Dichter gefüllt war. Das war für ſie eine freudige Ueberraſchung, denn ſie hatte bei der Tante nur wenige kennen zu lernen Gelegenheit gehabt.

Während ſie nun auf dieſe Weiſe ſtill beſchäftigt war, drangen plötzlich die ſüßen, ſchwellenden Töne einer Flöte in ihr Ohr. Sie hatte nie in ihrem Leben ſo liebliche Muſik vernommen: es war ihr, als ob dieſe Töne himmli⸗ ſchen Sphären entquollen, und ſie lauſchte ihnen mit ver⸗ haltenem Athem. Als aber die Töne ſanft verklungen waren, da hatten ſie auf ihren Wellen die Seele Roſa's fort⸗ geführt und leiſe dem Traumgott in die Arme gelegt.