——
335
mehr zu überſtehen: ihr Leben war von nun an ganz frievlich, glücklich und höchſt beneidenswerth, ſo daß Ihr Euch zu Tode langweilen würdet, wenn ich es Euch er⸗ zählen wollte.
Die Geſchäfte gingen vortrefflich: im Anfang trat allerdings wegen Mangels an Arbeitern, ſowie wegen der Verwöhntheit und hohen Anſprüche der wenigen noch übrig gebliebenen eine gewiſſe Stockung ein. Bald aber erſchie⸗ nen Verordnungen die den Arbeitslohn beſchränkten, und trotz dieſer Hilfe kamen die Sachen wieder ins alte Ge⸗ leiſe, weil ſie am Ende immer dahin zurückkehren müſſen. Aus Venedig kam ein anderer, etwas verſtändigerer Be⸗ fehl; alle Ausländer, die ſich im Staate niederlaſſen woll⸗ ten, wurden auf zehn Jahre von dinglichen und perſön⸗ lichen Laſten befreit. Für unſere Freunde war dies ein neuer glücklicher Umſtand.
Noch vor Ablauf des erſten Jahres der Ehe erblickte ein holdes Geſchöpf das Tageslicht, und gleich, als wäre es beſonders darauf abgeſehen geweſen, daß Renzo recht bald Gelegenheit haben ſollte, ſein hochherziges Gelübde zu erfüllen, war es ein Mädchen; man kann ſich denken, daß es Maria getauft wurde; mit der Zeit kamen noch, ich weiß nicht wie viele andere beiderlei Geſchlechtes nach: Agneſe hatte genug zu thun, das eine und andere herum⸗ zutragen, indem ſie ſie kleine Schelme nannte und ihnen ſo derbe Küſſe ins Geſicht aufdrückte, daß eine gute Weile weiße Flecken zurückblieben. Und alle zuſammen hatten gute Neigungen und Anlagen; auch wollte Renzo, daß ſie ſammtlich leſen und ſchreiben lernen ſollten; er ſagte, da dieſe Spitzbüberei einmal vorhanden ſei, ſo ſollten ſie we⸗ nigſtens davon profitiren.
Es war ſchön, ihn ſeine Abenteuer erzählen zu hören, und er ſchloß immer mit der Bemerkung, welch große Dinge er dabei gelernt habe, die er ſich zur Richtſchnur ſeines künftigen Verhaltens machen könne.„Ich habe ge⸗ lernt,“ ſagte er,„mich in keine Händel einzulaſſen; ich habe gelernt, nicht auf öffentlichem Platze zu predigen;


