Teil eines Werkes 
9.-13. Bdchn. (1851)
Entstehung
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ich habe gelernt, nicht über Durſt zu trinken; ich habe gelernt, den Thürklopfer nicht in der Hand zu halten, wenn überall halbverrückte Leute herumſtehen; ich habe gelernt, mir keine Glocke an den Fuß zu ſchnüren, ohne vorher überlegt zu haben, was daraus entſtehen könne, und hundert andere Dinge.“

Lucia jedoch fand zwar dieſe Lehren nicht an und für ſich falſch, war aber doch nicht ganz damit zufrieden. Sie hatte eine dunfle Vorſtellung, als ob etwas daran fehle. Da ſie nun daſſelbe Lied ſo oft ſingen hörte und jedesmal darüber nachſann, ſo ſagte ſie eines Tages zu ihrem Moralphiloſophen:„Und ich, was habe ich daraus leinen können? Ich habe das Unglück nicht aufgeſucht, ſondern das Unglück hat mich aufgeſucht; Du wirſt doch,“ fügte ſie mit einem holden Lächeln hinzu,„nicht etwa be⸗ haupten wollen, es ſei ein dummer Streich von mir ge⸗ weſen, daß ich Dir gut war, und mich mit Dir verlobte?“

Renzo war anfangs in Verlegenheit. Nachdem ſie aber lange mit einander debattirt und darüber nachgeforſcht, vereinigten ſie ſich in dem Schluſſe: daß die Leiden zwar ſehr oft aus der Urſache kommen, welche der Menſch ihnen gebe; daß aber auch das vorſichtigſte und unſchuldigſte Verhalten nicht davor ſicher ſtelle, und daß, wenn ſie, ob nun verſchuldet oder unverſchuldet, kommen, das Vertrauen auf Gott ſie mildere und für ein beſſeres Leben nützlich

mache. Dieſer Schluß hat uns, obſchon von höchſt ein⸗

fachen Leuten aufgefunden, ſo treffend geſchienen, daß wir ihn gleichſam als die Quinteſſenz der ganzen Geſchichte hieher zu ſetzen beſchloſſen haben.

Hat dieſelbe Euch einige Unterhaltung gewährt, ſo wiſſet dafür dem Anonymus und auch ein klein wenig ſeinem Auferwecker von den Todten Dank. Sollte uns aber dieß nicht gelungen ſein, ſollten wir Euch vielmehr bloß ge⸗ langweilt haben, ſo ſeid verſichert, daß dieß durchaus gegen unſere Abſicht geſchehen iſt.

Ende.