ſchönſte Liebesdienſt, den Euer Gnaden dieſen Leuten er⸗ weiſen können, beſteht darin, daß Ihr ihnen ihr Gütchen abkaufet und dadurch aus der Noth helfet. Aufrichtig geſtanden, ich ſelbſt habe auch mein Intereſſe, meinen Vortheil dabei, denn ich bekomme in meine Pfarrei einen Gutsbeſitzer wie der Herr Marcheſe; aber Euer Gnaden werden nach Eurem eigenen Gutdünken entſcheiden; ich habe bloß geſprochen, um Eurem Befehl zu gehorchen.“
Der Marcheſe lobte dieſen Rath ſehr, dankte dafür, bat Don Abbondiv, den Vermittler zu machen, den Preis zu beſtimmen, denſelben ſo hoch als nur möglich anzuſetzen; auf den höchſten Grad aber brachte er ſeine Verwunderung dadurch, daß er ihm den Vorſchlag machte, ſogleich mit ihm nach der Wohnung der Braut zu gehen, wo wahr⸗ ſcheinlich auch der Bräutigam ſein werde.
Man kann ſich denken, daß Don Abbondio ganz außer ſich vor Freude war; unterwegs erſann er noch einen andern Plan und gab ihn mit folgenden Worten preis: „Da Euer Gnaden eine ſo entſchiedene Abſicht haben, dieſen Leuten wohlzuthun, ſo könnte ihnen vielleicht noch ein anderer Dienſt erwieſen werden. Der junge Burſche hat einen Haftbefehl, eine Art von Steckbrief auf dem Hals wegen ein paar dummer Streiche, die er vor zwei Jahren in Mailand gemacht hat, am Tage des großen Aufruhrs, in welchen er ohne allen böſen Willen aus purer Unwiſſenheit hineingerieth, wie die Maus in die Falle: Ihr ſeht, es iſt durchaus nichts Ernſtliches: Knaben⸗ ſtreiche, Unbeſonnenheiten; eine Schlechtigkeit zu begehen iſt er ganz unfähig; ich kann das wohl ſagen, denn ich habe ihn getauft und aufwachſen geſehen. Wenn Euer Gnaden ſich einen Spaß machen wollen, wie die vorneh⸗ men Herren oft eine Freude daran finden, ſolche arme Leute recht von der Leber weg ſprechen zu hören, ſo könnt Ihr Euch die Geſchichte von ihm ſelbſt erzählen laſſen, und dann werdet Ihr hören. Jetzt beläſtigt ihn Niemand mehr
deßwegen, da es ganz alte Sachen ſind, und ohnehin will
er, wie ich ſchon geſagt habe, in einen andern Staat aus⸗


