biſt ein ganz abgefeimter Spitzbube; aber dieſes ſtille Wäſ⸗ ſerchen da, dieſe kleine Heilige, bei der man geglaubt hätte, es wäre eine Sünde, ſich vor ihr in Acht zu nehmen. Doch ich weiß ſchon, wer ſie darin unterrichtet hatte, ich weiß es, ich weiß es.“ So ſprechend, richtete und bewegte er den zitternden Zeigefinger, den er bisher gegen Lucia ge⸗ halten hatte, gegen Agneſe, und es läßt ſich nicht beſchrei⸗ ben, mit welcher trenherzigen Heiterkeit er dieſe Vorwürfe machte. Dieſe Nachricht hatte ihm eine Ungezwungenheit und Redſeligkeit mitgetheilt, die man ſeit langer Zeit nicht an ihm gewohnt war, und wir wären noch weit vom Ende, wenn wir den ganzen übrigen Theil der Unterhaltung er⸗ zählen wollten, die er in die Länge zog, indem er mehr als einmal die Geſellſchaft, wenn ſie aufbrechen wollte, zuückhielt und auch dann noch vor der Hausthüre, auf der Straße, ein wenig bei ihr ſtehen blieb und Nichts als närriſches Zeug ſchwatzte.
Am folgenden Tag erhielt er einen eben ſo unerwar⸗ teten, als angenehmen Beſuch; es war der oben erwähnte Herr Marcheſe, ein Mann, zwiſchen dem Mannes⸗ und Greiſenalter, dem die Wahrheit deſſen, was man allgemein von ihm ſagte, auf dem Geſichte zu leſen ſtand; er war offen, wohlwollend, freundlich, beſcheiden, würdevoll, und in ſeinem ganzen Benehmen lag eine ergebungsvolle Traurigkeit.
„Ich komme,“ ſagte er,„um Euch Grüße von dem Cardinal Erzbiſchof zu bringen.“
„O, welche Herablaſſung von beiden!“
„Als ich von dieſem unvergleichlichen Manne Abſchied nahm, der mich mit ſeiner Freundſchaft beehrt, ſagte er mir von zwei Verlobten aus dieſem Kuchſpiel, die von dieſem armen Don Rodrigo zu leiden gehabt haben. Der Hochwürdige Herr wünſcht Nachrichten von ihnen zu er⸗ halten. Leben ſie noch? und ſind ihre Angelegenheiten in Ordnung gebracht?“
„Es iſt Alles in Ordnung; ich hatte mir auch ſchon vorgenommen, an Seine Eminenz deshalb zu ſchreibenz aber jetzt, da ich die Ehre habe.


