Teil eines Werkes 
9.-13. Bdchn. (1851)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

317

wenn der Spaß nur noch ein Weilchen gedauert hätte, wieder mit ſeinen lateiniſchen Brocken zu Leib gerückt wäre. Ich ſehe ſchon, auf dieſe Weiſe wird die Sache wieder auf die lange Bank geſchoben: es iſt daher beſſer, wenn wir geradezu ſeinen Rath befolgen und uns da trauen laſſen, wo wir künftig leben werden.

„Wißt Ihr, was wir thun?“ ſagte die Wittwe,„ich meine, wir Frauen ſollten auch hingehen und einen Verſuch machen, um zu ſehen, ob wir den Knoten nicht beſſer löſen können. Auf dieſe Art werde auch ich das Vergnügen haben, dieſen Mann kennen zu lernen, vb er wirklich ſo iſt, wie Ihr ſagt. Ich ſchlage vor, daß wir erſt nach dem Mittageſſen hingehen, damit wir ihm nicht gar zu ſchnell wieder über den Hals kommen. Jetzt, Herr Bräuti⸗ gam, führet uns zwei ein wenig ſpazieren, während Agneſe ihre Geſchäfte beſorgt; ich werde an Lucia die Mutter⸗ ſtelle vertreten, und ich habe große Luſt, dieſe Berge, dieſen See, wovon ich ſchon ſo viel gehört habe, auch einmal näher anzuſehen; das Wenige, das ich bis jetzt davon ge⸗ ſchen habe, ſcheint mir etwas gar Schönes zu ſein.“

Renzo führte ſie zuerſt nach dem Hauſe ſeines Wir⸗ thes, wo es ein neues Feſt gab, und er mußte ihnen ver⸗ ſprechen, daß er nicht bloß heute, ſondern wo möglich alle Tage kommen und mit der Geſellſchaft zu Mittag eſſen wolle.

Nachdem man ſpazieren gegangen und geſpeist, ent⸗ fernte ſich Renzo plötzlich, ohne zu ſagen, wohin er gehe. Die Frauen plauderten noch ein wenig und verabredeten, wie ſie Don Abbondio anfaſſen ſollten, dann brachen ſie endlich auf, um den Sturm zu beginnen.

„Da ſind ſie,“ ſagte er bei ſich, machte jedoch eine gute Miene. Große Freundlichkeit gegen Lucia, vertrauliche Begrüßung mit Agneſe, höfliche Komplimente gegen die fremde Dame. Er bat ſie, Platz zu nehmen und ließ ſich dann auf das große Geſpräch von der Peſt ein; er wollte von Lucia hören, wie ſie dieſes Elend überſtanden habe; das Lazareth bot Gelegenheit, guch ihre Leidensgenoſſin