Als die Frau ſofort aufgetragen hatte, holte ſie Lucia, führte ſie an Tiſch, ließ ſie Platz nehmen, ſchnitt einen Flügel von dem Kapaunen ab und legte ihr denſelben vorz ſodann ſetzten ſie und Ihr Mann ſich gleichfalls, und beide ermunterten den niedergeſchlagenen und verſchämten Gaſt, Muth zu faſſen und zu eſſen. Der Schneider begann ſchon bei den erſten Biſſen mit großem Nachdruck zu perori⸗ ren, trotz der vielfachen Unterbrechungen von Seiten der Kinder, die eſſend um den Tiſch herumſtanden und in Wahrheit zu viele außerordentliche Dinge geſehen hatten, um ſich für die Dauer mit der alleinigen Rolle von Zuhö⸗ rern zu begnügen. Er beſchrieb die feierlichen Ceremonien und ſprang dann auf die wunderbare Bekehrung über. Was aber den größten Eindruck auf ihn gemacht hatte und worauf er am öfteſten zurückkam, das war die Predigt des
Cardinals.
„Wenn man ihn ſo vor dem Altare ſah, einen ſol⸗ chen Herrn, wie einen Pfarrer
„Und das goldene Ding, das er auf dem Kopfe hatte ſagte eines der kleinen Mädchen.
„Schweige! Wenn man bedenkt, ſage ich, doß ein ſolcher Herr und ein ſo hochgelehrter Mann, der, wie man ſagt, alle Bücher in der Welt geleſen hat, wie weit es noch kein Anderer, ſelbſt in Mailand nicht, gebracht hat, wenn man bedenkt, daß er Alles auf eine Art vorzutragen wußie, daß Jederman ihn verſtand„
„Ja, ich habe ihn auch verſtanden,“ ſagte das andere Plaudermäulchen.
„Schweig; was willſt denn Du verſtanden haben?“
„Ich habe verſtanden, daß er ſtatt des Herrn Pfarrers das Evangelium erklärte.“
„Schweig. Ich ſpreche nicht von denen, die überhaupt Eiwas wiſſen, denn ſolche müſſen ihn natürlich verſtehen aber ſelbſt die härteſten Köpfe, die Unwiſſendſten konnten dem Sinne folgen. Gehet jetzt einmal hin und fraget ſie, ob ſie die Worte wiederholen können, die er ſagte; ſie würden nicht ein einziges mehr herausbringen, aber den


