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Herzen entſtand ein augenblicklicher Aufruhr; die bis jetzt durch ſo viele gegenwärtige Eindrücke erſtickte und zum Schweigen gebrachte Erinnerung an das Gelübde regte ſich plötzlich wieder darin und kam klar und deutlich zum Vorſchein. Jetzt wurden alle kaum erſt neu gehobenen Kräfte ihrer Seele aufs Neue überwältigt, und wäre dieſe Seele nicht durch ein Leben in Unſchuld, Ergebung und Gottver⸗ trauen ſo wohl ausgerüſtet geweſen, ſo würde die Beſtür⸗ zung, die ſie in dieſem Augenblick empfand, ſich zur Ver⸗ zweiflung geſteigert haben. Nach einem Wirrwarr von ſol⸗ chen Gedanken, für die ſich nicht ſogleich Worte finden, waren die erſten, die ſich in ihrem Geiſte bildeten: o ich armes Mänchen, was habe ich gethan!
Aber kaum hatte ſie dieſe Worte gedacht, ſo erſchrack ſie auch in ihrem Innerſten darüber. Es fielen ihr jetzt alle Umſtände des Gelübdes wieder ein, die unerträgliche Seelenangſt, die Verzweiflung an aller menſchlichen Hilfe, die Inbrunſt des Gebets, die Fülle des Gefühls, womit ſie ihr Verſprechen gegeben hatte. Und das Verſprechen zu bereuen, nachdem ſie die erflehte Gnade erlangt hatte, erſchien ihr als eine ruchloſe Undankbarkeit, als eine Wort⸗ brüchigkeit gegen Gott und die Jungfrau; es bedünkte ſie, als müſſe eine ſolche Treuloſigkeit ihr neues und noch furchtbareres Unglück zuziehen, in welchem ſie dann ſelbſt vom Gebete Nichts mehr zu hoffen hätte, und ſie beeilte ſich, dieſe augenblickliche Reue wieder zu verleugnen. Sie nahm ehrfurchtsvoll ihren Roſenkranz vom Hals, und in⸗ dem ſie ihn in der zitternden Hand hielt, beſtätigte und er⸗ neuerte ſie das Gelübde und flehte zugleich mit herzlicher Inbrunſt, daß ihr die Kraft verliehen werden möge, es zu erfüllen, daß ihr die Gedanken und Gelegenheiten erſpart werden mögen, welche ihr Gemüth, wenn auch nicht er⸗ ſchüttern, doch allzu ſehr quälen könnten. Renzo's Entfer⸗ nung ohne alle Wahrſcheinlichkeit der Wiederkehr, dieſe Entfernung, die ihr bis jetzt ſo bitter geweſen, erſchien ihr jetzt als eine Fügung der Vorſehung, welche beide Ereig⸗


