Teil eines Werkes 
9.-13. Bdchn. (1851)
Entstehung
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Die gute Frau ließ Lucia auf dem beſten Sitze, am beſten Orte ihrer Küche Platz nehmen und war geſchäftig, ihr eine kleine Stärkung zu bereiten, indem ſie mit einer gewiſſen herzlichen Derbheit die wiederholten Dankſagun⸗ gen und Entſchuldigungen des Mävchens ablehnte.

Hurtig legte ſie trockenes Reißig unter einen Keſſel, den ſie ans Feuer geſtellt hatte und worin ein fetter Ka⸗ paun ſchwamm. Sie ließ ihn in der Brühe abkochen, goß dieſe dann in einen Napf, in welchen ſie bereits Brod⸗ ſcheibchen geſchnitten, und konnte endlich Lucia eine Suppe vorſetzen. Da ſie jetzt ſah, daß das arme Mädchen mit jedem Löffel voll mehr zu Kräften kam, ſo wünſchte ſie ſich mit lauter Stimme Glück, daß die Sache gerade auf einen Tag gefallen, wo, wie ſie ſagte, die Katze nicht auf dem Herde ſei.„Jedermann,“ fügte ſie hinzu,„will heute ein Tiſchtuch aufdecken mit Ausnahme der armen Leute, die kaum Wickenbrod und Polenta von Moorhirſe aufzutreiben wiſſen; heute hoffen ſie jedoch von einem ſo wohlthätigen Herrn alie Etwas zu bekommen. Wir befinden uns, Gott ſei Dank, nicht in dieſem Fall. Mit dem Gewerb meines Mannes und ſeinem Stückchen Feld, das wir beſitzen, können wir uns gut durchbringen. Eſſet alſo herzhaft und getroſten Muthes; der Kapaun wird bald fertig ſein, und dann könnt Ihr Euch ein bischen gütlicher thun.“ Und nachdem ſie das Näpſchen wieder weggetragen, kehrte ſie Kocherei zurück und deckte den Piſch für ihre Fa⸗ milie.

Die einigermaßen wieder zu Kräften und immer mehr zur Beſinnung gekommene Lucia begann jetzt ſich zu ſchmücken, denn dies war bei ihr eine alte Gewohnheit, da ſie von jeher einen natürlichen Hang zur Sauberkeit und Verſchämtheit gehabt hatte: ſie flocht ihre aufgegan⸗ genen und verworrenen Zöpfe wieder und zog ihr Tuchlein auf der Bruſt und um den Hals zurecht. Bei dieſem Ge⸗ ſchäfte verwickelten ſich ihre Finger in dem Roſenkranz, der daran hing; ihr Blick fiel auf denſelben; in ihrem