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„Mach auf!“ antwortete leiſe die bekannte Stimme. Sie zieht den Riegel zurück; der Ungenannte ſtößt leicht die Thürflügel auf, ſo daß eine kleine Oeffnung entſteht, befiehlt der Alten herauszukommen und drängt ſogleich Don Abbondio mit der guten Frau hinein. Dann ſchließt er die Thüre wieder, bleibt hinter ihr ſtehen und ſchickt die Alte in einen entfernten Theil der Burg. Die andere Frau, die draußen Wache hielt, hatte er bereits weg⸗ geſandt.
Dieſe ganze Bewegung, dieſer Augenblick der Er⸗ wartung, dieſes erſte Erſcheinen neuer Perſonen, verſetzte Lucia abermals in eine große Beunruhigung; denn wenn auch ihr dermaliger Zuſtand unerträglich war, ſo fürch⸗ tete ſie doch, jede Veränderung möchte einen neuen Schrecken mit ſich bringen. Sie ſchaute auf, ſie ſah einen Prieſter, eine Frau; ſie faßte etwas Muth; ſie ſchaut von Neuem hin:„Iſt er's oder iſt er's nicht?“ Sie erkennt Don Abbondiv und läßt wie verzaubert ihre Augen ſtarr auf ihm haften. Die Frau trat auf ſie zu, neigte ſich über ſie, ſchaute ſie liebreich an, ergriff ihre beiden Hände, liebkoſend und zugleich um ſie aufzurichten, und ſagte zu ihr:„Ach, armes Kind, kommt, kommt mit uns!“
„Wer ſeid Ihr?“ fragte Lucia! aber ohne auf die Antwort zu hören, wandte ſie ſich wieder zu Don Abbon⸗ div, der gleichfalls mit einer ganz barmherzigen Miene zwei Schritte vor ihr ſtand, firirte ihn von Neuem und rief:„Ihr? ſeid Ihr's? der Herr Pfarrer? wo ſind wir dann? O, ich armes Mädchen, ich bin nicht bei Sinnen!“
„Nein, nein,“ antwortete Don Abbondio,„ich bin es, wahrhaftig; faßt nur Muth! ſeht Ihr, wir ſind da, um Euch wegzubringen. Ich bin Euer leibhaftiger Pfar⸗ rer und ausdrücklich hierher gekommen, da heraufge⸗ riten
Lucia richtete ſich, wie wenn ſie auf einmal alle ihre Kräfte wieder gewonnen hätte, raſch auf, ſchaute noch ein⸗


