235
gegnen ſollte, und was für Unterthanen! Mit dem guten Freunde ſelbſt hätte er jetzt gern ein Geſpräch einzuleiten gewünſcht, theils um ihn immer mehr auszuforſchen, theils um ihn bei guter Laune zu erhalten; aber wenn er ihn in ſo tiefes Nachdenken verſunken ſah, da verging ihm alle Luſt dazu. Er mußte alſo mit ſich ſelbſt ſprechen, und wir theilen einige Bruchſtücke deſſen mit, was der arme Mann während ſeines Rittes zu ſich ſelbſt ſagte, denn wenn wir Alles aufſchreiben wollten, müßten wir ein Buch daraus machen.
Es iſt doch ein wahres Wort, daß die Heiligen ſo gut wie die Schurken Queckſilber im Leib haben müſſen, denn ſie begnügen ſich nicht damit, ſich ſelbſt beſtändig um⸗ herzutreiben, um ſich um alles Mögliche zu bekümmern, was ſie nichts angeht, ſondern ſie möchten auch, wenn ſie könnten, das ganze Menſchengeſchlecht beſtändig auf den Beinen erhalten. Und daß vollends gerade die Allerun⸗
ruhigſten über mich herfallen müſſen, über mich, der ich
doch keinen aufſuche, um mich bei den Haaren in ihre Händel hineinzuziehen, während ich doch nichts Anderes verlange, als daß man mir das bischen Leben gönne! Die⸗ ſer tollköpfige Schurke von Don Rodrigo! was würde ihm fehlen, um der glücklichſte Menſch von der Welt zu ſein, wenn er nur ein bischen Grütze im Kopf hätte? Eriſt reich, er iſt jung, er iſt angeſehen, man macht ihm von allen Seiten den Hof: ſeine Krankheit beſteht darin, daß er es viel zu gut hat, und nun muß er um irgend ein Leiden für ſich und ſeine Nebenmenſchen betteln gehen. Er könnte leben wie der reiche Mann im Evangelinm; aber nein, Herr, er macht ſich lieber ein Geſchäft daraus, die Frauen zu beläſtigen, was das allernärriſchſte, ſpitzbübiſchſte, ra⸗ ſendſte Geſchäft von der Welt iſt; er könnte in der Kar⸗ roſſe zum Paradies einfahren und will lieber hinkend zum Teufel eingehen. Und dieſer da?.— und hier ſchaute er ihn an, wie wenn er befürchtete, dieſer da möchte ſeine Gedanken hören.— Dieſer da! Nachdem er durch ſeine


