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„Nahe Verwandte, bei denen ſie lebt oder lebte, hat ſie nicht, außer ihrer Mutter,“ antwortete Don Abbondio.
„Befindet dieſe ſich zu Hauſe?“
„Ja, hochwürdigſter Herr.“
„Da,“ fuhr Feverigo fort,„dieſes arme Mädchen nicht ſo ſchnell nach Haus wird zurückkehren können, ſo möchte es ihr eine große Beruhigung ſein, ſobald als möglich ihre Mutter zu ſehen; wenn alſo der hieſige Herr Pfarrer nicht zurückkommen ſollte, bevor ich in die Kirche gehe, ſo bitte ich Euch, ihm zu ſagen, daß er eine Ca⸗ rutſche oder ein Maulthier beſorge, um die Mutter zu holen und hierher zu bringen.“
„Und wenn ich ſelbſt ginge?“ ſagte Don Abbondio.
„Nein, nein, Ihr nicht, ich habe Euch bereits um etwas Anderes erſucht,“ antwortete der Cardinal.
„Ich meinte nur,“ veiſetzte Don Abbondio,„um dieſe arme Mutter vorzubereiten; ſie iſt eine ſehr reizbare Frau und es gehört ein Mann dazu, der ſie kennt, um ihr nicht wehe ſtatt wohl zu thun.“
„Darum erſuche ich Euch, dem Herrn Pfarrer zu
ſagen, daß er den rechten Mann wählen ſoll; Ihr wer⸗ det anderswo mehr nützen,“ antwortete der Cardinal. Er hätte gern hinzugeſetzt:„Für dieſes arme Mädchen iſt ein größeres Bedürfniß recht bald ein bekanntes, zuverläſſiges Geſicht auf der Burg zu ſehen, nachdem ſie ſo viele qual⸗ volle Stunden in einer ſo furchtbaren Ungewißheit über ihre Zukunft dort zugebracht hat.“ Ueberdieß war kein Grund, der vor dem Ungenannten ſo deutlich geſagt wer⸗ den konnte. Gleichviel ſchien es dem Cardinal, daß Don Abbondio dieß wohl hätte begreifen, ja von ſelbſt hätte vedenken müſſen, und er fand den Antrag und die Hart⸗ näckigkeit des Pfarrers ſo übel angebracht, daß er dachte, es müſſe noch etwas Anderes dahinter ſtecken. Er ſchaute ihm in's Geſicht und bemeifte leicht die Furcht, mit dieſem ſchrecklichen Manne zu reiſen und, wenn auch nur für wenige Augenblicke, ſein Gaſt zu ſein. Da er nun dieſe


