fielen auf den unbefleckten Purpur Federigo's, und die
ſchuldloſen Hände des Biſchofs drückten liebevoll die Glie⸗
der des Verbrechers, dieſe Jacke, welche gewohnt war die Waffen der Gewaltthat und der verrätheriſchen Tücke zu tragen. Der Ungenannte wand ſich endlich aus dieſer Umar⸗ mung los, bedeckte von Neuem die Augen mit einer Hand und rief, indem er zu gleicher Zeit ſein Geſicht empor⸗ richtete:„Wahrhaft großer Gottl wahrhaft gütiger Gott! Jetzt kenne ich mich, jetzt begreife ich, wer ich bin, meine Ruchloſigkeiten ſtehen mir vor den Augen, mich ſchaudert vor mir ſelbſt; und dennoch„ dennoch fühle ich eine Erleichterung, eine Freude, ja eine Freude, wie ich ſie in Fien ganzen abſcheulichen Leben niemals empfunden habe. „Das iſt ein Vorgeſchmack,“ ſagte Federigo,„wel⸗ chen Gott Euch ſchenkt, um Euch an ſeinen Dienſt zu feſſeln, um Euch aufzumuntern, daß Ihr entſchloſſen in dieſes neue Leben eintretet, in welchem Ihr ſo viel unge⸗ ſchehen, ſo viel wieder gut zu machen, ſo viel zu bewei⸗ nen habt.“
„O, ich Unglückſeliger!“ rief der Edelmann; wie viele.. Dinge, die ich nur werde beweinen können! Aber ich habe wenigſtens auch ſolche Dinge, die ich erſt unternommen, kaum eingeleitet habe und daher jedenfalls abbrechen kann; ich habe eine Uniernehmung, die ich ſo⸗ gleich abbrechen, ungeſchehen, wieder gut machen kann.“
Federigo wurde aufmerkſam, und nun erzählte ihm der Ungenannte kurz, aber in vielleicht kräftigeren Aus⸗ drücken des Abſcheues, als wir gebraucht haben, ſeinen Anſchlag auf Lucia, die Leiden, die Beängſtigungen des armen Mädchens, wie ſie ihn angefleht habe, welchen Aufruhr ihr Flehen in ihm hervorgerufen, und wie ſie noch auf ſeiner Burg ſei„. „Ach, laßt uns keine Zeit verlieren!“ Federigo, in ſchwerer Bekümmerniß aufgthmend;„Heil Euch! dieſes


