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beinahe ſagen, er ſuchte nicht einmal nach ſolchen. Als er jedoch die Augen zu dem Geſichte dieſes Mannes auf⸗ ſchlug, fühlte er ſich immer mehr von einem zugleich ge⸗ bieteriſchen und lieblichen Gefühl der Verehrung ergriffen, das ſeine Zuverſicht erhöhte, ſeinen Unmuth linderte und ſeinen Stolz, ohne ihn zu beleidigen, zum Weichen und Schweigen brachte.
Federigo's Erſcheinung gehörte wirklich zu denjenigen, die eine ieee ankündigen und ihr Liebe gewinnen. Seine Haltung war natürlich, ungezwungen und gleichſam unwillkürlich majeſtätiſch' ie Jahre nicht im minde⸗ ſten gebeugt oder geſchwächt; as Auge war ernſt und leb⸗ haft, die Stirne kein und gedankenvollz trotz ſeiner grauen Haare, trotz ſeiner Bläſſe, trotz der Spuren der Enthalt⸗ ſamkeit, des Nachdenkens, der Anſtrengungen, zeigte ſich auf ſeinem Geſichte noch immer eine Art von jungfräulicher Blüthe; alle ſeine Züge verkündeten, daß es in frühern Zeiten eigentlich ſchön geweſen; die Gewohnheit feierlicher und wohlwollender Gedanken, der innere Frieden eines langen Lebens, die Menſchenliebe, die fortwährende Freu⸗ digkeit einer unausſprechlichen Hoffnung hatten an die Stelle dieſer Schönheit, ich möchte faſt ſagen, eine Greiſenſchön⸗ heit geſetzt, die in jener prachtvollen Einfachheit des Pur⸗ purs noch ſtärker hervortrat.
Auch er ließ einen durchdringenden Blick, der eine langjährige Uebung beſaß, aus den Mienen die Gedanken zu errathen, eine Weile auf dem Geſichte des Ungenannten haften, und da er unter dem trüben und verſtörten Aus⸗ druck deſſelben immer mehr etwas zu entdecken meinte, was der Hoffnung entſprach, die er bei der erſten Ankün⸗ digung eines ſolchen Beſuchs gefaßt hatte, ſo ſagte er ganz belebt:„Ach, welch ein angenehmer Beſuch iſt das, und wie ſehr muß ich Euch für einen ſo guten Entſchluß dan⸗ ken, obſchon für mich ein gewiſſer Vorwurf varin liegt.“
„Ein Vorwurf!“ rief der Herr verwundert, aber weich geſtimmt durch dieſe Worte und dieſes Benehmen, zugleich


