Teil eines Werkes 
5.-8. Bdchn. (1851)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

14

„Ich?“ flüſterte ein Anderer ſeinem Gefährten zu, „ich mache mich aus dem Staub. Ich kenne die Welt und weiß, zu was für Häuſern ſo etwas führt. Dieſe Maulhelden, die jetzt einen ſolchen Lärm verführen, werden ſich morgen und in der nächſten Zeit ganz kleinmüthig zu Hauſe einpuppen. Ich habe ſchon ſo gewiſſe Geſichter, ſo gewiſſe Ehrenmänner geſehen, welche herumſchleichen, wie wenn ſie von nichts wüßten, und ſich hinter's Ohr ſchrei⸗ ben, wer da iſt und wer nicht da iſt; ſpäter wenn Alles zu Ende iſt, macht man den Gäſten die Rechnung, und wehe dem, den es trifft!“

„Der Hauptbeſchützer der Bäcker,“ rief eine Stimme, welche Renzo's Aufmerkſamkeit anzog,„das iſt der Pro⸗ vianterwalter.“

„Sie ſind Alle zuſammen Schufte,“ ſagte ein An⸗ erer.

gri„Ja, aber er iſt der ärgſte von ihnen,“ erwiederte der rſte.

Der Proviantverwalter, der alljährlich von dem Statt⸗ halter aus einer von dem Rath der Decurionen entworfe⸗ nenen Liſte von ſechs Edelleuten erwählt wurde, war der Präſident der genannten Behörde, ſowie des Proviantamtes, das aus zwölf andern Edelleuten zuſammengeſetzt war und neben ſeinen übrigen Obliegenheiten hauptſachlich für das Kornhaus zu ſorgen hatte. Solche Beamte nun mußten in Zeiten der Hungersnoth und Unwiſſenheit nothwendig als die Urſache aller Uebel angeſehen werden, wenn ſie nicht gerade gethan hatten, was Ferrer that und was auch nicht in ihren Kräften ſtand, ſelbſt wenn es ſich mit ihren

Anſichten vertragen hätte. „O die Hallunken!“ rief ein Anderer;„kann man ſich eine ärgere Schlechtigkeit denken? Sie unterſtehen ſich ſogar zu ſagen, der alte Großkanzler ſei kindiſch gewor⸗ den, nur um ihm den Kredit zu rauben und das Heſt allein in den Händen zu haben. Man ſollte einen großen Kapaunenſtall bauen und ſie Alle hineinwerfen, damit ſie